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Innere Medizin 1. Dezember 2008

Polypharmakotherapie und unangemessene Verschreibung bei älteren internistischen Patienten in Österreich

ZIELE DER STUDIE: 1. Bestimmung der Prävalenz von Polypharmakotherapie und unangemessenem Arzneimittelgebrauch bei älteren internistischen Patienten in Österreich; 2. Einschätzung deren Bedeutung für das Auftreten von unerwünschten Arzneimittelwirkungen; 3. Suche nach Prädiktoren für das Auftreten von unerwünschten Arzneimittelwirkungen bei einer älteren Patientenpopulation. METHODIK: In einer monozentrischen Kohortenstudie wurden über 3 Monate alle neu aufgenommenen Patienten ≥ 75 Jahren eingeschlossen. Die Aufnahmemedikation wurde durch ein multidisziplinäres Team bestehend aus Krankenhausapothekern und Internisten auf ihre angemessene Anwendung hin analysiert und überprüft, ob eine unerwünschte Arzneimittelwirkung aufgetreten war. ERGEBNISSE: Es wurden insgesamt 543 Patienten analysiert (Altersmedian 82 Jahre, 60,2% Frauen). Die mittlere Medikamentenanzahl bei Aufnahme betrug 7,5 ± 3,8. Frauen nahmen signifikant mehr Medikamente ein als Männer (7,8 vs. 6,8, p = 0,013). 58,4% der Patienten erfüllten das gewählte Kriterium für Polypharmakotherapie (> 6 Medikamente). Folgende Faktoren waren mit Polypharmakotherapie assoziiert: weibliches Geschlecht, Pflegebedürftigkeit, hohe Anzahl an Entlassungsdiagnosen und ein hoher Punktwert auf der Charlson Komorbiditäts-Skala. Verzichtbare Medikamente wurden bei 36,3% aller Patienten gefunden, Medikamente, die für alte Menschen inadäquat sind, bei 30,1%, Doppelverordnungen bei 7,6%, Fehldosierungen bei 23,4% und potenzielle Medikamenteninteraktionen bei 65,8%. Unerwünschte Arzneimittelwirkungen wurden bei 97/543 Patienten gefunden (17,8%). In 56,7% der Fälle war die unerwünschte Arzneimittelwirkung Grund für die stationäre Aufnahme und bei 18,7% war eine Arzneimittelinteraktion sehr wahrscheinlich an der Entstehung beteiligt. Risikofaktoren für unerwünschte Arzneimittelwirkungen waren weibliches Geschlecht, Polymorbidität, Niereninsuffizienz und unangemessener Arzneimittelverordnung. SCHLUSSFOLGERUNG: Polypharmakotherapie, unangemessene Verschreibung und unerwünschte Arzneimittelwirkungen sind bei älteren internistischen Patienten in dem untersuchten österreichischen Zentrum vergleichbar häufig wie in anderen westlichen Ländern. Zur Verbesserung der Arzneimittelsicherheit bei dieser Hochrisikogruppe erscheint uns eine bessere Verschreibungsqualität bedeutsamer als eine Verminderung der Medikamentenanzahl.

Jochen Schuler, Christina Dückelmann, Wolfgang Beindl, Erika Prinz, Thomas Michalski, Max Pichler, Wiener klinische Wochenschrift

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