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Innere Medizin 26. Mai 2010

Sonne für Oma

Hoch dosiertes Vitamin D gegen den Hüftbruch.

Senioren, die nach einem Hüftbruch täglich eine hohe Dosis Vitamin D zu sich nehmen, müssen im Folgejahr seltener ins Spital. Prof. Dr. Heike Bischoff-Ferrari vom Zentrum Alter und Mobilität der Universität Zürich empfiehlt jedoch nicht nur älteren Menschen die tägliche Einnahme von Vitamin D.

 

Vor allem die Knochen leiden unter einem Entzug von natürlichem Licht in der dunklen Jahreszeit. Denn die körpereigene Synthese von Vitamin D aus Cholesterin-Vorstufen funktioniert nur unter Einwirkung von UV-B-Strahlung. Zu den Krankheiten, die durch Vitamin-D-Mangel bedingt sind, gehört auch die Osteoporose. Knochenbrüche und Stürze werden durch die Unterversorgung gefördert. Ohne Vitamin D kann der Darm nur einen Bruchteil des Calciums aus der Nahrung aufnehmen, und die direkte Wirkung von Vitamin D auf die Muskulatur fehlt.

Weniger Komplikationen dank hochdosiertem Vitamin D

Jetzt konnte Prof. Dr. Heike Bischoff-Ferrari vom Zentrum Alter und Mobilität der Universität Zürich zusammen mit Forscherkollegen die positive Wirkung des Vitamins für ältere Menschen mit Hüftbruch nachweisen. Die Wissenschaftler untersuchten im Rahmen einer Studie 173  Patienten nach einer Hüftbruchoperation. Alle Studienteilnehmer nahmen täglich Vitamin D. Die eine Hälfte von ihnen in der empfohlenen Standarddosis von 800 internationalen Einheiten, die andere Hälfte in einer zweieinhalbfach erhöhten Dosis.

Dabei zeigte sich: Patienten mit der höheren Dosis mussten im Folgejahr seltener wieder ins Spital eingeliefert werden, was vor allem durch deutlich weniger Sturzverletzungen und Infekte erklärt werden konnte. „60 Prozent weniger schwere Sturzverletzungen und 90 Prozent weniger schwerwiegende Infekte zeigten sich bei Probanden mit Hochdosierung. Dadurch steigt nicht nur die Lebensqualität der Patienten“, erklärt Bischoff-Ferrari. Durch die kostengünstige Abgabe von Vitamin D könnten auch die hohen Kosten für Folgeoperationen und Spitalbehandlungen eingedämmt werden. Nebenwirkungen der Vitamin-D-Abgaben ließen sich keine feststellen.

Weniger Vitamin D im Alter

Das Vitamin D erhalten Menschen auf zwei Wegen: Über die Nahrung und über das Sonnenlicht. Das Vitamin wird vom Körper in der Haut gebildet, wenn diese mit ultraviolettem Licht (UV-B-Strahlung) in Kontakt kommt. Im Sommer können 15 Minuten Sonnenlicht am Tag helfen, den Vitamin-D-Bedarf zu decken.

Doch im Winter fehlt die nötige Sonnenintensität in ganz Europa. Bei älteren Menschen kommt dazu, dass sie häufig die Sonne meiden und vier mal weniger Vitamin D in der Haut produzieren als jüngere Personen. Bischoff-Ferrari empfiehlt deshalb die Einnahme von 700 bis 1.000 Einheiten Vitamin D bei Menschen ab 60 Jahren unabhängig von der Jahreszeit. „Das entspricht den neusten Empfehlungen der International Osteoporosis Foundation. Abhängig vom Produkt sind das zwei bis acht Tropfen Vitamin D pro Tag“, so Bischoff-Ferrari.

Bei jüngeren Erwachsenen gebe es noch zu wenig klinische Studien, um eine generelle Vitamin-D-Supplementation zu empfehlen. Allerdings sei die Vitamin-D-Unterversorgung auch bei jüngeren Erwachsenen und Kindern häufig.

Zusätzlich zu Hause turnen

Neben dem Einfluss von Vitamin D untersuchte die Studie bei den Hüftbruchpatienten auch den Zusatznutzen eines einfachen, im Spital erlernten und zu Hause selbständig durchgeführten Physiotherapieprogramms.

Die Wissenschaftler verglichen es mit der Standardphysiotherapie im Akutspital ohne Heimprogramm. Dabei zeigte sich: Das zusätzliche Heimprogramm verringerte die Anzahl der Stürze im Folgejahr nach der Hüftbruchoperation um ein Viertel, jedoch hatte es keinen eindeutigen Einfluss auf die Anzahl der Sturzverletzungen, die Spitalpflege erforderlich machen. Weil sowohl ein solches Heimprogramm als auch Vitamin D in hoher Dosierung der Gesundheit von Hüftbruchpatienten förderlich sind, empfiehlt das Forschungsteam beides.UniZürich/TF

 

Quelle: Universität Zürich/UZH News/Marita Fuchs

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