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Innere Medizin 8. Jänner 2009

Mit Wasser und Seife gegen Influenza & Co

Eine Studie erarbeitete Kriterien für eine wirksame Informationskampagne gegen Infektionen.

Pharmazeutische Maßnahmen wie die Impfung und die antivirale Prophylaxe sind nur zwei Bausteine zum Infektionsschutz der Bevölkerung. Ein drittes entscheidender Element sind einfache, nicht-pharmazeutische Maßnahmen wie die Händehygiene.

In einer Studie wurde ermittelt, wie weit das Händewaschen in der deutschen Bevölkerung verankert ist, um im Anschluss daran Förderungsmöglichkeiten dieser simplen Präventionsmaßnahme zu definieren.

Die meisten Befragten waren der Meinung, bereits viel für die Gesundheit zu tun. Mit Krankheitsprophylaxe wurden Vorsorgeuntersuchungen und Impfungen verbunden. Ein Bezug zwischen Handhygiene und konkreter Erkrankung wurde hingegen kaum hergestellt. Aufbauend auf der Befragung wurden sieben Hypothesen für die wirksame Konzeption von Informationskampagnen formuliert:

  • Hypothese 1: Gesundheitstipps haben eine höhere Chance auf Verhaltensänderung, wenn sie dem Rezipienten die persönliche Betroffenheit verständlich und erlebbar machen. Gezieltes Bemühen um Krankheitsvermeidung setzt z. B. dann ein, wenn nahestehende Personen erkrankt sind.
  • Hypothese 2: Hygiene wird mehr emotional als rational begründet: Man will sich frisch und sauber fühlen. Sie dient also hauptsächlich dem Wohlgefühl und der Gesellschaftsfähigkeit.
  • Hypothese 3: Eine emotionale Verbindung zwischen Hygiene und Gesundheit besteht durch das Ekelgefühl. Allerdings besteht für viele Befragte eine fließende Grenze zwischen sinnvoller und übertriebener Hygiene, die als zwanghaftes Verhalten verstanden wird.
  • Hypothese 4: Das Händewaschen ist eine der am stärksten automatisierten Handlungen im Alltag – ein unbewusster Vorgang. Es wird vorwiegend rituell (nach der Toilette, vor dem Kochen) und nach gefühltem Bedarf (sichtbarer oder gefühlter Schmutz) durchgeführt. Seife kommt vor allem bei fettigen oder klebrigen Händen zum Einsatz.
  • Hypothese 5: Der Ansteckungsweg der Influenza oder von Atemwegserkrankungen ist nur so weit bewusst, wie er beobachtbar ist (Husten, Niesen, Tröpfchen). Im Bezug auf die Gefährlichkeit der Virus-Grippe bestehen große Wissenslücken.
  • Hypothese 6: Das Bewusstmachen des Übertragungswegs „Hand“ steigert die Motivation zum Händewaschen. Allerdings ist die Wirksamkeit des Händewaschens als Infektionsschutz kaum bekannt. Nach entsprechender Information wird das Händewaschen als überraschend einfaches Mittel zur Gesundheitsvorsorge wahrgenommen. Zwei Wochen nach der Information erinnerten sich die meisten Probanden nicht nur an die Maßnahme, sondern hatten in der Zwischenzeit auch Freunden und Bekannten davon erzählt.
  • Hypothese 7: Während einer Pandemie erhöhen sich der Informationsbedarf und die Bereitschaft zum persönlichen Infektionsschutz.

Es besteht also Förderungsbedarf: Auf rationaler Ebene muss das Ansteckungsrisiko über den Übertragungsweg „Hand“ bewusst gemacht werden. Die Konsequenzen für das eigene Leben müssen nachvollziehbar werden. Nur wer sich einem konkreten Angriff von Krankheitserregern gegenübersieht, ist bereit, Schutzmaßnahmen zu ergreifen. Die Empfindung persönlicher Betroffenheit korrespondiert mit Gefühlen wie Ekel vor der mangelnden Hygiene und Angst um die Gesundheit.

Besonders wirkungsvoll dürften Ansätze sein, die rationales Bewusstmachen und emotionales Erleben kombinieren. Die Herausforderung dabei ist, Laien ein Verständnis für den nicht beobachtbaren Ansteckungsweg zu vermitteln.

 

Quelle: Deutsches Bundesgesundheitsblatt, Band 51, Heft 11, 2008 (doi: 10.1007/s00103-008-0701-8)

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