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Innere Medizin 1. Oktober 2008

Die Regio glutealis als seltene Lokalisation einer Echinococcus granulosus-Zyste – eine Kasuistik

Die durch Metazestoden (Finnen, Larven) von Echinococcus granulosus hervorgerufene zystische Echinokokkose ist weltweit verbreitet und gehört zu gefährlichsten Wurmkrankheiten des Menschen. Hunde und andere Kaniden stellen die Endwirte dieses Parasiten dar, in deren Dünndarm der adulte, etwa 3 mm lange Bandwurm lebt. Das letzte, infektionstüchtige Eier enthaltende Glied wird vom Bandwurm abgeschnürt und gelangt in die Umwelt, wo es von Zwischenwirten (z.B. Schafen, Schweinen, Rindern) gefressen werden kann; in den Zwischenwirten entwickelt sich aus dem Ei ein Metazestode, der in verschiedenen inneren Organen lokalisiert sein kann. Der Mensch erwirbt die Infektion durch orale Aufnahme von mit Echinococcus-Eiern kontaminiertem Wasser, verschmutzten Vegetabilien oder über kontaminierte Hände. Im Menschen sind die Finnen meist in der Leber, der Lunge, in der Milz oder im Herzen, sehr selten auch in anderen Organen lokalisiert. Wir berichten über eine 57-jährige Frau türkischer Herkunft, die wegen einer im Verlauf eines Jahres deutlich an Größe zunehmenden Schwellung in der linken Glutealregion den Arzt aufsuchte. Mittels CT und MRI konnte eine 15 cm große, subkutan gelegene, multizystische Läsion festgestellt werden, die chirurgisch entfernt wurde. Die pathologischen und parasitologischen Untersuchungen ergaben eine Echinococcus granulosus-Zyste des Genotyps G1 (Schafstamm); auch die serologischen Tests bestätigten das Vorliegen einer E. granulosus-Infektion. Die Patientin erhielt postoperativ Albendazol. Solitäre subkutane Echinococcus granulosus-Zysten (ohne Absiedelung in der Leber oder Lunge) stellen insgesamt eine große Rarität dar, über eine subkutane solitäre Zyste in der Glutealregion ist in der Fachliteratur überhaupt noch nicht berichtet worden. Diese Kasuistik soll Anlass dafür sein, daran zu erinnern, dass bei der Detektion von Weichteilttumoren differentialdiagnostisch auch an die zystische Echinokokkose gedacht werden sollte, um ein optimales therapeutisches Procedere in die Wege leiten zu können (Verhinderung der Verletzung der Echinococcus-Zyste, Verhinderung eines anaphylaktischen Schocks, Verhinderung der Aussaat von Protoscoleces). Diese Überlegungen sollten insbesondere bei Patienten aus Echinokokkose-Endemiegebieten angestellt werden.

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