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Innere Medizin 1. Oktober 2008

Klinische und virologische Charakterisierung importierter Fälle von Chikungunya Fieber

Im Jahr 2005 trat das Chikungunya Virus (CHIKV) überraschend auf den Komoren, La Reunion, Mayotte, Mauritius, den Seychellen und Madagaskar auf und infizierte ca. 250.000 Einwohner und Touristen in nur einem Jahr. Seit Anfang März 2006 wurden verstärkt Chikungunya Fieber-ähnliche febrile Erkrankungen auch in mehreren Bundesstaaten Indiens gemeldet. Wir untersuchten deutsche Reisende auf CHIKV, die mit Arthralgien und/oder Fieber aus Afrika oder Asien heimgekehrt waren. 11 von 70 untersuchten Patienten wiesen spezifische Antikörper gegen CHIKV auf. Eine real-time-RT-PCR war positiv bei zwei Patienten aus Mauritius bzw. Rajasthan in Nordindien. In beiden Fällen konnte CHIKV isoliert und die Nukleinsäuresequenz des gesamten Genoms bestimmt werden. Erwartungsgemäß zeigten die Nukleinsäuresequenzen eine hohe Übereinstimmung mit anderen Isolaten der derzeitigen Epidemie. Insgesamt fanden wir nur 18 Nukleotidaustausche zwischen den Isolaten aus Mauritius und Rajasthan, die zu insgesamt sechs Aminosäureaustauschen führten (nsP1 T128K, T376M, nsP3 S472N, Kapsid P23S, V27I und E1-Protein A226V). Obwohl das unglaubliche Ausmaß der CHIKV-Epidemie auf den Inseln des Indischen Ozeans 2005/2006 zumindest teilweise mit der vollen Empfänglichkeit der betroffenen Bevölkerung erklärt wurde, deuten unsere Ergebnisse des Isolates aus Rajasthan eher auf eine bessere "Fitness" des Virus hin. Ob sich dies in einer höheren Virämie beim Menschen oder einer besseren Adaptation an bestimmte Vektorpopulationen und damit einer effektiveren Übertragung äußert, müssen zukünftige Untersuchungen zeigen. Eine diesbezüglich als relevant beschriebene Mutation im E1-Protein (A226V) war nur bei dem Isolate aus Mauritius zu finden. Das seuchenhafte Auftreten des afrikanischen CHIKV in Asien belegt eindrucksvoll, wie schnell ein neuer Virustyp sich global verbreiten und etablieren kann, wenn kompetente Stechmückenvektoren vorhanden sind.

Martin Pfeffer, Gudrun Zöller, Sandra Essbauer, Herbert Tomaso, Nicole Behrens-Riha, Thomas Löscher, Gerhard Dobler, Wiener klinische Wochenschrift

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