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Wer ein Leben lang gut duftet, befindet sich vielleicht in Lebensgefahr. Das mag etwas überspitzt sein, aber Forscher weisen auf die problematische Kumulierung künstlicher Duftstoffe im Blut von Frauen im fortgeschrittenen Alter hin.
 
Innere Medizin 8. April 2010

Moschus im Blut

Untersuchung zu künstlichen Duftstoffen im Kreislauf von Frauen.

Duftstoffe sind in zahlreichen Produkten des täglichen Lebens enthalten. Sie werden in Körperpflegemitteln, Wasch- und Reinigungsmitteln oder Tierfutter zugesetzt. Ein Waschmittel ohne „Parfüm“ zu kaufen, ist heute gar nicht so einfach, außerdem werden immer mehr Wohnungen und öffentliche Räume (z.B. Kaufhäuser) „beduftet“.

Der Duftstoff-Boom ist aus umweltmedizinischer Sicht allerdings nicht unproblematisch. Schließlich zählen Duftstoffe zu den häufigsten Kontaktallergenen. Darüber hinaus wirken manche Duftstoffe auch krebsfördernd oder stehen im Verdacht, das Hormonsystem zu beeinflussen.

Bestimmte Duftstoffe (vor allem synthetische Moschus-Verbindungen) reichern sich in der Umwelt, in Tier und Mensch, an. Sie können im Blut, im Fettgewebe und in der Muttermilch nachgewiesen werden. In den vergangenen Jahren haben das Institut für Umwelthygiene, Zentrum für Public Health der Medizinischen Universität Wien und das Umweltbundesamt erhoben, wie hoch etwa die Belastung österreichischer Frauen (Studentinnen bzw. Frauen über 50 Jahren) mit synthetischen Moschus-Duftstoffen ist. „Wir wollten überprüfen, ob sich Verbindungen wie Moschus-Ambrette, die seit langer Zeit verboten sind, im Blutplasma finden“, so OA DI Dr. Hans-Peter Hutter vom Institut für Umwelthygiene. Dabei wurde auch der Einfluss des Alters oder von Körperpflegegewohnheiten untersucht.

Bei den synthetischen Moschus-Duftstoffen unterscheidet man Nitromoschus-Verbindungen, wie Moschus-Xylol und Moschus-Keton, die beide die Wirkung von krebserregenden Substanzen verstärken, sowie polyzyklische Duftstoffe mit dem Hauptvertreter Galaxolid. Letztere stellen heute die bedeutendste Duftstoffgruppe dar. Galaxolid konnte im Blut der meisten Studienteilnehmer gefunden worden, berichtet Hutter. Die höchsten Galaxolid-Konzentrationen betrugen dabei in der Gruppe der über 50-jährigen Frauen etwa sieben Mikrogramm pro Liter, bei den Studentinnen waren es vier Mikrogramm pro Liter.

Aus der Gruppe der Nitromoschus-Verbindungen wurde Moschus-Xylol am häufigsten nachgewiesen. Die in der EU seit vielen Jahren u.a. auf Grund ihrer Mutagenität verbotene Substanz Moschus-Ambrette fand sich sowohl im Blut zweier junger Frauen als auch von zwei Frauen mittleren Alters. „Da die Halbwertszeit der Chemikalie nicht sehr lang ist, muss sie in der letzten Zeit in den Organismus gelangt sein“, erklärt Hutter.

Generell waren die Duftstoff-Konzentrationen in der Gruppe der Frauen über 50 Jahren höher. „Moschus-Verbindungen werden“, so Hutter, „unter anderem über die Haut aufgenommen. Laut Fragebogen verwenden ältere Frauen häufiger Body-Lotions, Cremes und Parfums als jüngere. Dies könnte die höheren Konzentrationen erklären. Denkbar wäre auch, dass alternde Haut für Duftstoffe durchlässiger wird.“

Die Human-Biomonitoring-Studie hat unter anderem gezeigt, dass sich im Blut der Bevölkerung problematische Duftstoffe befinden. „Es wäre interessant, solche Untersuchungen in einigen Jahren zu wiederholen, um zu sehen, ob sich die Situation verbessern konnte“, meint Hutter.

 

Quelle: Hutter H.-P., Wallner P. et al: Int J Hyg Environ Health 2010; 213: 124-130

Von Dr. Peter Wallner, Ärzte Woche 14 /2010

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