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Foto: Archiv
Prof. Dr. Dieter Magometschnigg Institut für Hypertoniker, Wien
 
Innere Medizin 18. Dezember 2008

Gesucht: Prävention mit Phantasie

Wie kann die Kluft zwischen „Soll“ und „Ist“ überbrückt werden?

Patienten dazu zu bringen, einen gesünderen Lebensstil zu pflegen, ist ein schwieriges Unterfangen. Weil ein großer Wurf auch bei den Wiener Präventionstagen wohl nicht gelingen kann, wurden kleine Schritte für den richtigen Weg zur Prävention erörtert.

 

Für den Arzt ist Prävention ein Konglomerat aus vielen Subthemen: Hypertonie, Diabetes mellitus, Hyperlipidämie, Adipositas, Raucherentwöhnung, Ausdauertraining, Stressbewältigung, Awareness, Settings, und vieles mehr.

Für gesundheitsbewusste Menschen ist Prävention eine Lebenseinstellung und jeder Mensch versucht, sein Gesundbleiben, so gut er es versteht, umzusetzen.

Dieser Gedanke wird oft als Widerspruch erlebt. Prävention wird als Gegensatz von Genuss bzw. Effizienz, als Verzicht und Mehraufwand gesehen, und unter diesem Blickwinkel sind so manche gesunde Alternativen vielen zu aufwendig.

Gesucht: Umsetzbare Konzepte

Gesundheitsvorsorge sollte anders aussehen. Sie sollte nicht nur auf zeitgemäßem Wissen beruhen, sie sollte auch den Qualitätsgegensatz überwinden und „Gut“ gemeinsam mit „Gesund“ anbieten. Das Ziel eines akzeptablen Präventionsangebotes muss es sein, die Rahmenbedingungen so zu gestalten, dass Prävention als übersteigerte Qualität von „Gut“ gesucht wird. Bei der Abwehr kardiovaskulärer Krankheiten geht es für den Laien um die grundlegenden Themen wie Essen, Beruf, Bewegung und Genussverhalten.

Wer kardiovaskuläre Prävention realisieren will, muss versuchen, für nicht reale Vorstellungen, für Phantasien oder Wünsche, tragfähige und umsetzbare Konzepte zu entwickeln. Derzeit ist kaum eine oder einer in der Lage, so zu sein, wie es die vielen Präventionsapostel fordern, und diese selbst sind es wohl auch nicht. Die Kluft zwischen dem, was im Leben sein soll, und dem, was ist, ist mit den derzeitigen Lösungsstrategien nicht zu überbrücken.

Es stellen sich viele Fragen: Was wollen wir auf dem Gebiet der kardiovaskulären Prävention erreichen? Was könnten wir erreichen? Welche Strategien könnten ein Schritt in die richtige Richtung sein? Was können Ärzte dazu beitragen? Was ist ihr Rüstzeug? Ist es auch ausreichend? Was müsste unbedingt entwickelt werden?

Viele Fragen, wenig Antworten

Da bisher eigentlich nichts geht – die Menschen werden zunehmend dicker, bewegen sich weniger, haben mehr und mehr Risikofaktoren und sind auch nicht leicht mit Pharmaka zu behandeln –, führen wir die Diskussion so breit es geht, sammeln wir Ideen und Lösungsansätze und probieren sie aus.

Länderübergreifend wurde zuerst der ungarische Aspekt von Prof. Dr. Illyés Miklós aus Budapest eingebracht. Er beschäftigt sich mit neuen Methoden zur einfachen Bewertung arterieller Funktionsstörungen, die über das Blutdruckmessen hinausgehen. In einem nächsten Schritt werden wir dann mit anderen Nachbarländern Kontakt aufnehmen. Da bei uns der Großteil der Arztarbeit von den Allgemeinmedizinern umgesetzt wird, sind ihre Sicht und ihre Überlegungen ein wesentlicher Bestandteil möglicher Präventionsstrategien. Unbedingt brauchen wir auch das Wissen und die Erfahrung von Experten aus verschiedensten Disziplinen, denn Wissensbreite und -tiefe sind nicht mehr vereinbar.

Mitarbeit gefragt

Da ein einfacher großer Wurf weit und breit nicht in Sicht ist, versuchen wir es mit vielen kleinen Schritten. Die nächsten Schritte werden nach den Präventionstagen 2008 in Wien die Präventionstage in Budapest und Innsbruck sein, und dazwischen werden Workshops abgehalten, um die Kongresserkenntnisse im kleinen Kreis kritisch diskutieren und erproben zu können. Jeden Einzelnen, dem Prävention ein Anliegen ist, laden wir ein, mit uns gemeinsam an dieser nicht überblickbaren Aufgabe zu arbeiten.

 

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Prof. Dr. Dieter Magometschnigg Institut für Hypertoniker, Wien

Von Prof. Dr. Dieter Magometschnigg, Ärzte Woche

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