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Innere Medizin 18. Dezember 2008

Biomarker zur Vorhersage des Herzinfarkt- und Schlaganfallrisikos

EPIC-Studie zeigt Konnex zwischen Fetuin-A-Spiegel und Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Die Fettleber spielt für die Entstehung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen eine wichtige Rolle. Dies belegen neue Untersuchungen über den Zusammenhang zwischen dem kardiovaskulären Krankheitsrisiko und dem Fetuin-A-Gehalt im Blut.

Wissenschaftler des Deutschen Instituts für Ernährungsforschung (DIfE) in Potsdam haben zusammen mit Ärzten der Universität Tübingen einen neuen Biomarker identifiziert, mit dem sich das Herzinfarkt- sowie das Schlaganfallrisiko vorhersagen lassen.

Eiweißmolekül aus der Leber

Bei dem Biomarker handelt es sich um das Eiweißmolekül Fetuin-A, das in der Leber gebildet und an das Blut abgegeben wird. Die Forscher haben nun erstmals gezeigt, dass hohe Blutwerte des Biomarkers mit einem drei- bis vierfach höheren Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall verbunden sind. Nach ihrer Aussage könne Fetuin-A in Zukunft als neuer, unabhängiger Risikomarker für die Vorhersage von Herz-Kreislauf-Erkrankungen bedeutsam werden. Die Wissenschaftler veröffentlichten ihre Ergebnisse jetzt in der angesehenen Fachzeitschrift Circulation der American Heart Association 1.

Fetiun-A und Insulinresistenz

„Schon vor einiger Zeit beobachteten wir, dass erhöhte Fetuin-A-Werte im Blut mit einer verminderten Insulinempfindlichkeit der Körperzellen einhergehen und auf eine verstärkte Fetteinlagerung in der Leber hinweisen“, erklärt Dr. Hans-Ulrich Häring, Direktor der Medizinischen Klinik IV des Universitätsklinikums Tübingen.

„Diese Beobachtung brachte uns auf die Idee, mit Hilfe der Potsdamer EPIC-Studiendaten (das Akronym steht für „European Prospective Investigation into Cancer and Nutrition“, Anmerkung) die Zusammenhänge zwischen Fetuin-A-Werten und dem Auftreten bestimmter Erkrankungen näher zu untersuchen“, ergänzt Dr. Cornelia Weikert, Erstautorin der Studie und Epidemiologin am DIfE.

Aussagekraft unabhängig von Rauchen, Hypertonie, Diabetes

Vor kurzem hatte das Team aus Ärzten und Epidemiologen bereits gezeigt, dass Fetuin-A ein unabhängiger Risikomarker für den Typ-2-Diabetes ist. Unabhängig vom Alter hatten Personen mit einem sehr hohen Fetuin-A-Blutwert (im Mittel 304 Mikrogramm/Milliliter) im Vergleich zu Personen mit einem niedrigen Wert (im Mittel 158 Mikrogramm/Milliliter) ein um 75 Prozent erhöhtes Diabetesrisiko. „Bei Personen mit einem erhöhten Blutzuckerspiegel war der Zusammenhang zwischen einem hohen Fetuin-A-Wert und einem erhöhten Diabetesrisiko besonders stark ausgeprägt.“

Nun kann es erstmals belegt werden, dass auch ein starker Zusammenhang zwischen Fetuin-A-Spiegeln und Herz-Kreislauf-Erkrankungen besteht, und dies unabhängig von bekannten Risikofaktoren wie beispielsweise Bluthochdruck, Rauchen und Diabetes.

Unabhängig von solchen Faktoren hatten Personen mit einem sehr hohen Fetuin-A-Blutwert im Vergleich zu Personen mit einem niedrigen Wert ein 3,3-fach erhöhtes Herzinfarkt- beziehungsweise ein 3,8-fach erhöhtes Schlaganfallrisiko.

An der Potsdamer EPIC-Studie, die die Zusammenhänge zwischen Ernährung und Krankheiten wie Krebs, Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen untersucht, nehmen seit 1994 mehr als 27.000 Erwachsene teil. Während der durchschnittlichen Nachbeobachtungszeit von 8,2 Jahren erlitten 227 Studienteilnehmer einen Herzinfarkt. Bei 168 Teilnehmern diagnostizierten Ärzte einen ischämischen Schlaganfall.

Diejenigen Probanden aus dem höchsten Quintil, bezogen auf den Fetuin-A-Gehalt im Plasma, hatten gegenüber dem niedrigsten Quintil ein signifikant höheres Herzinfarkt- und Schlaganfallrisiko.

„Der von uns beobachtete Zusammenhang zwischen erhöhten Fetuin-A-Spiegeln im Blut und einem erhöhten Risiko für Herzkreislauferkrankungen ist außergewöhnlich stark“, erklärt Dr. Cornelia Weikert. Daher hoffe man, Fetuin-A nicht nur als Biomarker einsetzen zu können. Man wolle Fetuin-A auch als neuen Ansatzpunkt nutzen, um die dem Herzinfarkt und Schlaganfall zugrunde liegenden pathogenen Mechanismen zu erforschen und besser zu verstehen.

Rolle der Fettleber

„Unsere Ergebnisse deuten an, dass der Leberstoffwechsel und dabei vor allem die Fettleber für die Entstehung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen eine wichtige Rolle spielt“, sagt Dr. Andreas Fritsche von der Medizinischen Klinik IV, Abteilungen Endokrinologie, Diabetologie und Angiologie des Universitätsklinikums Tübingen. Angesichts der großen Zahl von Menschen, die von Herz-Kreislauf-Erkrankungen betroffen sind, sei es dringend notwendig, die Forschung in diese Richtung zu verstärken.

 

 

 

1 Weikert, Cornelia et al.: Plasma Fetuin-A Levels and the Risk of Myocardial Infarction and Ischemic Stroke, Circulation 2008 (doi: 10.1161/CIRCULATIONAHA.108.814418)

DifE/PH, Ärzte Woche

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