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Innere Medizin 18. Dezember 2008

Influenza-Konsensus November 2008

Aktuelle Empfehlungen zu Prävention, Diagnose und Therapie.

Im September 2008 traf sich eine Eine Gruppe von heimischen Experten1 kam in den ersten Monaten dieses Jahres überein, das im Jahr 2003 erstellte österreichische Konsensuspapier zur Diagnose und Therapie der Influenza zu aktualisieren. Eine Vielzahl an neuen Studien, vor allem aber das Auftreten von humanen Infektionen mit dem Vogelgrippevirus H5N1 machten eine Überarbeitung der bisherigen Empfehlungen notwendig. Im November 2008 wurde nun das aktuelle Konsensuspapier zur Prävention, Diagnose und Therapie von Influenza-Infektionen veröffentlicht.

 

Im April 2008 erschien im Journal of Clinical Virology ein EU-Review zu Empfehlungen zur antiviralen Behandlung und Prophylaxe der Influenza. Die Autoren kamen zu dem Schluss, dass unterschiedliche Empfehlungen zur Therapie und Prophylaxe der Influenza existieren, regelmäßige Updates der nationalen Richtlinien notwendig sind und die Erstellung eines europäischen Konsensuspapiers überlegt werden sollte. Das österreichische Konsensuspapier findet sich auch auf der Seite des Diagnostischen Influenza Netzwerks Österreich (DINÖ) – Klinisches Institut für Virologie der Medizinischen Universität Wien – www.influenza.at. Die zentralen Kernpunkte des Konsensus 2008 sind im Folgenden zusammengefasst.

Impfung zur Prävention

Die jährliche Schutzimpfung ist die wichtigste präventive Maßnahme gegen Influenza-Infektionen und damit assoziierte Komplikationen. Mit Verweis auf den Österreichischen Impfplan (abrufbar unter www.bmgfj.gv.at) wird die jährliche Impfung grundsätzlich allen Personen angeraten, die sich schützen wollen, besonders aber Kindern nach dem sechsten Lebensmonat, Personen ab dem 50. Lebensjahr sowie Jugendlichen und Erwachsenen mit erhöhter Gefährdung infolge eines Grundleidens (chronische Lungen-, Herz- und Kreislauferkrankungen, Erkrankungen der Nieren, Stoffwechselkrankheiten, angeborene oder erworbene Immundefekte). Die Empfehlung betrifft außerdem alle Angehörigen der Gesundheitsberufe, Betreuungspersonen von Risikogruppen, Personal mit häufigen Publikumskontakten sowie Reisende in Epidemiegebiete.

Antivirale Prophylaxe und Therapie

Wird die Influenza-Diagnose gestellt, ist grundsätzlich eine umgehende antivirale Therapie angezeigt. Mittel der Wahl sind Neuraminidasehemmer, wobei Oseltamivir® in Form von Hartkapseln oder Saft für Erwachsene und Kinder ab dem vollendeten ersten Lebensjahr und Zanamivir® zur inhalativen Applikation bei Erwachsenen und Kindern ab fünf Jahren zur Verfügung stehen. Die Behandlung soll bei Erwachsenen möglichst rasch, jedenfalls aber innerhalb von 48 Stunden (im Fall von Zanamivir® bei Kindern innerhalb von 36 Stunden) nach dem Auftreten der ersten Symptome begonnen werden.

Die antivirale Prophylaxe soll sich im Rahmen saisonaler Epidemien auf Personen mit hohem Risiko für influenzabedingte Komplikationen und institutionalisierte Personen beschränken, wobei im Einzelfall die individuelle Risikoexposition und mögliche Nebenwirkungen abzuwägen sind. Als mögliche Indikationen werden genannt:

  • Impfung aufgrund einer Kontraindikation nicht möglich;
  • ausreichende Immunisierung aufgrund einer vorliegenden Immundefizienz fraglich;
  • Überbrückung des Zeitfensters bis zur vollen Ausbildung der Immunantwort in den ersten zwei Wochen nach der Impfung;
  • unzureichende Abdeckung der aktuell zirkulierenden Stämme mit den im Impfstoff enthaltenen Stämmen („Mismatch“).

Explizit empfohlen werden Neuraminidasehemmer im Rahmen einer Postexpositionsprophylaxe (d.h. nach direktem Kontakt mit einer infizierten Person) in den genannten Situationen und darüber hinaus nichtgeimpften Risikopersonen im gleichen Haushalt mit einer erkrankten Person oder in Schulen, Heimen, Pflegeheimen etc. nach einem „Ausbruch“ (zumindest drei Fälle von Influenza innerhalb von 48 Stunden).

Darüber hinaus werden Neuraminidasehemmer zur Prophylaxe im Pandemiefall zur Überbrückung der Zeitspanne, bis ausreichend Impfstoffmengen zur Verfügung stehen, empfohlen.

 

1 Graninger W, Hoffmann-Dorninger R, Haditsch M, Hrabcik H, Kunze M, Kunze U, Linemayr J, Marth E, Mutz I, Popow-Kraupp T, Redlberger-Fritz M, Sedlak W, Troll M, Wenisch C; Österreichische Empfehlungen zur Prävention, Diagnose und Therapie von Influenza-Infektionen – 2008. MedMedia Focused Publishing, November 2008.

Reisemedizinische Aspekte von Influenza
Influenza ist die zweithäufigste reiseassoziierte Infektionserkrankung, gegen die ein Impfstoff zur Verfügung steht. Im Gegensatz zu Ländern der gemäßigten Klimazone ist das Infektionsrisiko in den tropischen und subtropischen Regionen ganzjährig hoch. Daher sind ein aufrechter Impfschutz, die Befolgung grundlegender Hygieneregeln und die Mitnahme eines antiviralen Medikaments für den Fall einer Virusexposition jedem Reisenden in ein Zielland mit möglicher Influenza-Aktivität anzuraten. Um eine möglichst gute Abdeckung der zirkulierenden Virusvarianten zu gewährleisten, werden die Influenza-Impfstoffe für die nördliche und südliche Hemisphäre zeitversetzt hergestellt. Um Verwechslungen vorzubeugen, dürfen die für Länder der südlichen Hemisphäre bestimmten Impfstoffe derzeit in der Europäischen Union nicht vertrieben werden. Bei Reisen in ein solches Land ist daher zu klären, ob ein bereits verabreichter Impfstoff genügend Deckung mit dem südlichen Folgeimpfstoff aufweist und ob der Impfschutz, abhängig von der seit der Impfung verstrichenen Zeit, noch aufrecht ist. Bei längeren Reisen ist gegebenenfalls eine neuerliche Impfung im Zielland sinnvoll.

Von Dr. Monika Steinmaßl-Wirrer, Ärzte Woche

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