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Innere Medizin 4. Dezember 2008

Im Zucker liegt das Vergessen

Diabetische Veränderungen bleiben auch im Zentralnervensystem nicht folgenlos.

Neben den klassischen diabetischen mikro- und makrovaskulären Spätkomplikationen wird auch ein Einfluss der metabolischen Kontrolle und der im Rahmen der Insulinresistenz vorliegenden Risikokonstellation für kardiovaskuläre Ereignisse auf die kognitive Funktion diskutiert – insbesondere beim älteren Diabetiker. Schutz bieten auch hier bewährte Maßnahmen, wie eine gute glykämische Kontrolle, antihypertensive Behandlung und effiziente Statintherapie.

 

Das Auftreten wiederholter schwerer Hypoglykämien gilt als möglicher Risikofaktor für kognitive Beeinträchtigungen vor allem beim Typ-1-Diabetiker, denn bei im Rahmen von klinischen Studien beobachteten Hypoglykämien wurden Leistungseinschränkungen während der Erholungsphase beschrieben (Zammitt et al, Diabetes 2008). Die Durchführung entsprechender Testverfahren bei Teilnehmern der DCCT (Diabetes Control and Complications Trial)-Studie konnte jedoch keine Assoziation zwischen Hypoglykämierate und kognitiver Funktion nachweisen (Austin et al, Diabetes Care 1999).

Weitere Studien weisen auf eine mögliche Assoziation zwischen einerseits dem Vorliegen einer diabetischen Retinopathie und damit dem Bestehen mikrovaskulärer diabetischer Spätkomplikationen und andererseits Beeinträchtigungen der kognitiven Leistungsfähigkeit hin (Brands et al, Diabetes Care 2005). Kinder mit Typ-1-Diabetes zeigten jedoch in einigen Untersuchungen sogar eine bessere Lernleistung als ihre nicht-diabetischen Geschwister (McCarthy et al, Pediatrics 2002). Bei älteren Typ-1-Diabetikern fand sich eine Assoziation zwischen dem in psychomotorischen Testverfahren erhobenen kognitiven Leistungsprofil und der Diabetesdauer, dem Lebensalter, dem Body Mass Index und dem Vorliegen einer Hypertonie (Brismar et al, Psychoneuroendocrinology, 2007).

Demenz bei Typ-2-Diabetikern

Ein erhöhtes Risiko für die Entwicklung eines Alters-assoziierten dementiellen Syndroms wird in einer Reihe von Studien für Patienten mit Typ-2-Diabetes mellitus beschrieben (Allen et al, Eur J Pharmacol 2004). Dieses erhöhte Risiko wird auf makroangiopathische Komplikationen und damit das Schlaganfallrisiko, aber auch weitere strukturelle Veränderungen im Zentralnervensystem, wie kortikale und subkortikale Atrophien, zurückgeführt (Korf et al, Diabetes Care 2006). Die mittels psychomotorischer Testverfahren definierte kognitive Beeinträchtigung bei älteren Typ-2-Diabetikern zeigte eine Korrelation zu vorausgegangenen zerebrovaskulären Ereignissen, der Diabetesdauer, dem Vorliegen einer Hypertonie und der metabolischen Kontrolle. Das Vorliegen einer Retinopathie und von mittels MR-Untersuchung erfasster zerebraler Insulte war mit einer ausgeprägteren zerebralen Atrophie assoziiert (Manschot et al. Diabetologia 2007).

Zur Prävention des bei Typ-2-Diabetes erhöhten Risikos der Entwicklung eines Alters-assoziierten dementiellen Syndroms weisen Studiendaten auf die Beeinflussbarkeit durch eine gute gly kämische Kontrolle, antihypertensive Behandlung und den Vorteil einer Statintherapie hin. Testverfahren zur rechtzeitigen Erfassung kognitiver Störungen sollten im Rahmen der strukturierten Diabetikerbetreuung Einsatz finden.

 

Prof. Dr. Monika Lechleitner ist Leiterin der Internen Abteilung am Landeskrankenhaus Hochzirl.

Von Prim. Prof. Dr. Monika Lechleitner, Ärzte Woche

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