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Innere Medizin 20. November 2008

Kalter Fisch hält das Herz frisch

Omega-3-Fettsäuren helfen, allerdings gibt es große Qualitätsdifferenzen zwischen den Präparaten.

Nach einem Herzinfarkt empfehlen die drei großen, internationalen Fachgesellschaften – die Europäische Gesellschaft für Kardiologie, die American Heart Association und das American College of Cardiology – in ihren Leitlinien zur Sekundärprävention die tägliche Einnahme von hoch gereinigter, mehrfach ungesättigter Omega-3-Fettsäure (1g/d) flankierend zur Standardtherapie.

 

Umfangreiche Studien, etwa die GISSI-Prevenzione-Studie mit immerhin 11.324 Fällen, belegen, dass Patienten deutlich von einer Substitution mit Omega-3-Fettsäuren profitieren. Die Zahl der stationären Aufnahmen aufgrund von Herz-Kreislauferkrankungen und die Mortalität sanken, die Lebensqualität wurde verbessert. „Die regelmäßige Einnahme hemmt die Bildung von Atherosklerose, Risikofaktoren wie hohe Blutfette, Blutzucker und Bluthochdruck werden reduziert. Dadurch könnte schon bei ersten Anzeichen von Herzproblemen eine vorbeugende Wirkung erzielt werden – noch bevor es zu einem schweren Ereignis kommt“, betonte Prof. Dr. Günter Steurer, Kardiologe an der Universität Wien, bei einer Pressekonferenz.

Und trotzdem erstatten die Krankenkassen Omega-3-Fettsäure-Präparate, die in Form von leicht zu schluckenden Kapseln angeboten werden, nicht. Immerhin kostet eine Monatspackung 48,– Euro. Und der Rat, anstelle dessen mehr Fisch zu essen, greift nicht, denn es müsste schon eine Wochenration von rund 15 Kilogramm rohem Dorsch sein, um eine relevante therapeutische Menge zu erzielen. Und wer schafft das schon?

„Wir geben nicht auf!“

„Doch wir kämpfen weiter um die Bewilligung, es kann doch nicht sein, dass Herzpatienten ein helfendes Medikament nicht bezahlt bekommen. In anderen europäischen Ländern kommen die Kassen dafür auf“, zeigte sich Helmut Schulter, Geschäftsführer des Österreichischen Herzverbandes, kämpferisch.

Allerdings muss bei der Auswahl der Präparate genau beachtet werden, ob sie der Qualität entsprechen. „Wir haben neun der am Markt erhältlichen Omega-3-Produkte auf ihre Fettsäurekomposition getestet. Die Ergebnisse waren teilweise ernüchternd, berichtete Prof. Dr. Christoph Ebenbichler von der Universität Innsbruck: „Die Präparate zeigen hinsichtlich der Konzentration große Unterschiede. Die meisten scheitern schon daran, die empfohlene Tagesdosis von einem Gramm zu erreichen, selbst wenn sie in der höchs-ten, vom Hersteller angegebenen Dosierung verabreicht werden.“ Hält sich der Patient an die Empfehlun-gen des Herstellers, so nimmt er zu wenig therapeutisch wirksame Fettsäure zu sich. „Das kann für Patienten, die bereits einen Herzinfarkt hatten, sogar gefährlich werden“, warnte Ebenbichler.

Neben der Unterdosierung besteht auch die Gefahr einer Verunreinigung. Grazer Forscher haben kürzlich nachgewiesen, dass in manchen natürlichen Fischölen Arsen enthalten ist. Darum der Rat des Innsbrucker Mediziners: „Man sollte nur die höchsten, standardisierten und gereinigten Produkte verwenden.“ Am besten hat beim Test übrigens das Präparat Omacor® abgeschnitten.

Von Dr. Gerta Niebauer, Ärzte Woche

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