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Innere Medizin 1. Dezember 2009

HIV: Experten fordern Schnelltest beim Hausarzt

„Dass es bei HIV und Aids keinen Grund zur Entwarnung oder Sorglosigkeit gibt, das belegen aktuelle Zahlen sehr nachdrücklich", so Prim. Dr. Norbert Vetter, Vorsitzender des HIV/AIDS-Ausschusses des Obersten Sanitätsrates, bei einem Pressegespräch anlässlich des heutigen Welt-Aids-Tages." Jeden Tag stecken sich ein bis zwei Österreicher an. Rund 500 Neuinfektionen sind es jährlich. Besorgnis erregendes Detail: Die Hälfte der Betroffenen hätte ihre Therapie schon wesentlich früher beginnen können. Der HIV Schnelltest könnte hier ansetzen.

30 Prozent unerkannt

In Westeuropa wissen allerdings geschätzte 30 Prozent der HIV-Infizierten, in Osteuropa sogar zu bis 70 Prozent nicht von ihrer Immunschwäche - und geben das Virus unter Umständen weiter. (Quelle: Europäische AIDS-Konferenz in Köln). Dieses Nichtwissen und die damit einher gehende Dunkelziffer bei HIV sind ein zentrales Problem der Aids-Prävention.

Die Konsequenz des Nicht-Wissens um die eigene HIV-Infektion, ist angesichts der sehr positiven Entwicklungen in der Therapie besonders problematisch. Eine frühzeitig begonnene HAART wirkt sich nicht nur individuell, sondern auch auf die Gesellschaft positiv aus. Weil durch die Reduktion von HI-Viren unter die Nachweis-Grenze auch das Risiko sinkt, die Sexualpartner zu infizieren.

Seit rund einem Jahr darf in Österreich der HIV-Schnelltest Determine® im medizinischen Setting verwendet werden, der auf eine Initiative der AIDS-Kommission des Obersten Sanitätsrates im österreichischen AIDS-Gesetz als Instrument der AIDS-Kontrolle Berücksichtigung fand.

Schnelltest für die Hausarztpraxis

"Ein Testergebnis liegt nach maximal 30 Minuten vor. Es handelt sich dabei um einen HIV-Test der vierten Generation, der nach dem HI Virus und den HIV Antikörpern sucht. Neu ist, dass dieser Test nicht in einem Labor durchgeführt werden muss, sondern in der Arztpraxis angewandt werden kann", so Dr. Christian Zagler, Präsidiumsmitglied der Österreichischen Aids-Gesellschaft: Deshalb gehe es jetzt darum, den Schnelltest auf breiter Basis einzusetzen.

Den HIV Status kennen

"Jeder Mensch sollte also seinen HIV-Status kennen", fordert Prim. Vetter. "Mit den heute verfügbaren Tests sind die diagnostischen Voraussetzungen für das Kennen des eigenen HIV-Status gegeben, mit Schnelltests auch niedrigschwellig beim Hausarzt.“

Während man bei HIV-Tests älterer Generationen bis zu zwölf Wochen warten musste, bis das Immunsystem ausreichend Antikörper gebildet hatte, ist das jetzt nicht mehr nötig: "Die 4. Testgeneration reagiert auf das Virus. Das verkürzt für Patient/-innen die Wartezeit. Es kann schnell Entwarnung gegeben werden, wenn das Testergebnis negativ ist, und es können rasch Maßnahmen gesetzt werden, wenn der HIV Test positiv ausfällt“, erklärt Dr. Christian Zagler. Der Schnelltest hat dieselbe Aussagekraft wie der HIV ELISA Test (Enzyme Linked Immuno Sorbent Assay).

Test ist einfach anzuwenden

Der Arzt entnimmt Blut von der Fingerkuppe - auch Blut aus der Vene oder Serum können verwendet werden - und bringt es auf den Teststreifen auf. Nach einer Minute wird ein Tropfen einer Puffersubstanz auf den Teststreifen aufgebracht. Nach 15 bis 30 Minuten zeigt der Test das Ergebnis an. Der Test muss nicht speziell gelagert oder entsorgt werden, es muss kein Blut aus der Vene abgenommen und in ein Labor geschickt werden.

Zeigt der Determine-Test ein positives Ergebnis,  so muss in jedem Fall eine weitere Testung in einem Labor durchgeführt werden, um das Ergebnis zu bestätigen: Dafür stehen der HIV ELISA Test und der Western-Blot Bestätigungstest zur Verfügung. Fallen beide positiv aus, handelt es sich um eine gesicherte HIV-Infektion. Ist das Ergebnis negativ, so muss das diagnostische Fenster berücksichtigt werden, das beim neuen Schnelltest bei drei Wochen liegt. Die Aidshilfe Wien verrechnet für den den Schnelltest  26 Euro.

Bei einem Pilotprojekt in einem Ambulatorium in Wien wurde 384 Patientinnen und Patienten der HIV Test kostenlos angeboten. 53 Prozent (204 Personen) haben dieses Angebot angenommen. Positiv war zum Glück keiner.

B&K Kommunikation/Redaktion

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