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Foto: MSW
Mag. Helmut Nagy Steiermärkische Gebietskrankenkasse, Abteilung Strategie und Controlling
 
Innere Medizin 14. Oktober 2009

Die Hypertoniker-Schulung aus der Sicht der GKK

Kostenträger wollen DMP-Ärzte installieren.

Für die Gebietskrankenkassen scheinen Disease-Management-Programme ein gutes Instrument im Rahmen von chronischen Erkrankungen zu sein. Die Erfahrungen, die damit bei diabetischen Patienten gemacht wurden, lassen sich auch bei Hypertonikern anwenden.

 

Das Krankheitsbild der Hypertonie sei geradezu prädestiniert für ein Disease Management Programm (DMP), erklärt Mag. Helmut Nagy von der Steiermärkischen Gebietskrankenkasse, Abteilung Strategie und Controlling. „DMP bedeutet, chronisch Kranke über den gesamten Zeitraum des Verlaufs auf dem wissenschaftlich neuesten Stand zu betreuen – optimal für Hypertonie-Patienten. Die Krankheit hat zudem eine hohe Prävalenz und als Risikofaktor eine immer stärkere Bedeutung.“ Für das DMP Diabetes wurden bereits Komponenten erarbeitet, die sich auch gut auf die Hypertonie übertragen ließen: Empowerment der Patienten, österreichweite Organisation, entsprechende IT-Infrastruktur, Evaluierung des Qualitätsmanagements, Fortbildung und Honorierung.

„Das Projekt herz.leben leistet einen wesentlichen Beitrag zur besseren Situation der Hypertonie-Patienten“, betont Nagy. „Wesentliche Faktoren sind natürlich der regelmäßige Kontakt mit dem Arzt, dass der Patient motiviert ist, mitzutun – sozusagen eine ‚innere Verpflichtung‘ eingeht, und dass Zielvereinbarungen für den nächsten Kontakt gesetzt werden, also welche Verbesserungen in Bezug auf Bewegung, Ernährung oder Gewichtsreduktion erreicht werden sollen.“

Das Projekt besteht neben dem medizinischen auch aus einem administrativen Teil. „Die Patienten werden eingeschrieben und streng getrennt von den Abrechnungen der Pseudonymisierung zugeführt. In der zentralen Datenbank der Steiermark werden die Daten getrennt von der Vertragspartnerabrechnung gespeichert – der Sozialversicherungsträger kann damit Feedback geben und die Qualität sicherstellen“, erklärt Nagy. Neben der medizinischen Evaluierung – wirkt das Programm? – soll auch die ökonomische Evaluierung – zahlt es sich aus? – durchgeführt werden. „Dass unsere Abteilung ‚Controlling’ heißt, hat allerdings nichts mit Kontrolle zu tun“, betont der Stratege. „Das Controlling soll vielmehr den Ablauf des Programms überwachen und eventuell Verbesserungen anbieten.“

Vier Stunden Basisschulung

Honoriert wird sowohl die Erstbetreuung – 53 Euro für Untersuchungen, Anamnese und die Planung von Präventions- und Behandlungsmaßnahmen im nächsten Jahr – als auch die Weiterbetreuung, die mit 25 Euro abgegolten wird. Ein DMP-Arzt muss eine Basisschulung von vier Stunden absolvieren, wo darüber referiert wird, was ein DMP darstellt, wie die administrative Seite aussieht und wie man die Behandlung optimal gestalten kann. Außerdem müssen im Verlauf von drei Jahren Fortbildungsmodule über krankheitsspezifische Updates besucht werden, die in das DFP-Programm der Ärztekammer eingebunden sind.

Ein wesentlicher Vorteil für herz.leben sei, dass im Rahmen des DMP Diabetes Risikodaten sehr wohl personenbezogen gespeichert werden, und „wir damit die Möglichkeit haben, gezielt Diabetiker mit Bluthochdruck zu solchen Programmen einzuladen“, so Nagy. Geklärt werden müssten allerdings noch die Umsetzungsmöglichkeiten, beispielsweise, wie die Programme in die Regelversorgung zu bringen sind und wie die Co-Finanzierung von Land und Sozialversicherung aussehen soll.

Von Dr. Lydia Unger-Hunt, Ärzte Woche 42 /2009

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