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Prof. Dr. Robert Zweiker Klinische Abteilung für Kardiologie an der Universitätsklinik für Innere Medizin Graz
 
Innere Medizin 14. Oktober 2009

Zahlenspiele unter Hochdruck

Die Statistik erhärtet Vorteile des Disease-Management-Programms.

Das Studium der Leitlinien zur Behandlung der Hypertonie kann zu Verwirrung führen. Welche Patienten wie rasch eine Intervention benötigen, ist da oft kaum erkennbar. Abhilfe schaffen besser geschulte Ärzte und Patienten.

 

Was soll, was kann ein Disease-Management-Programm (DMP) für Hypertonie erreichen? Zunächst einige Zahlen, was mithilfe einer adäquaten Hypertonie-Behandlung möglich wäre. „30mmHg weniger würden das schlaganfallbedingte Risiko um 75 Prozent senken, bei Älteren um 52 Prozent“, berichtet Prof. Dr. Robert Zweiker, Klinische Abteilung für Kardiologie an der Universitätsklinik für Innere Medizin Graz. „Und wenn man den systolischen Blutdruck nur um 12mmHg senkt – was oft schon mit einer Monotherapie zu erreichen ist –, dann muss man lediglich neun Patienten behandeln, um einen Todesfall zu verhindern. Man vergleiche: Bei der Hyperlipidämie wären dieselben Zahlen in der Primärprävention im dreistelligen Bereich! Für die Hypertonie gilt: wenig Aufwand – exzellentes Ergebnis.“ Auch aus wirtschaftlicher Sicht: „Wir haben ein Potenzial von 37 Millionen Euro, das wir allein durch eine besser Einstellung relativ locker lukrieren könnten“, so der Experte.

Diese Ziele zu erreichen, sei natürlich nicht ganz einfach, gibt Zweiker zu. Die Therapieindikation sei schon in den Guidelines sehr komplex behandelt, wer wann wie rasch welche Intervention benötige, sei oft nicht leicht zu erkennen – „derselbe Blutdruckwert kann laut Guidelines manchmal einer simplen Lebensstiländerung bedürfen, aber auch sofortige ausgeprägte Medikation bedingen. Wir benötigen daher unbedingt eine adäquate Instruktion der Ärzte, vorgegebene Wege, wie man am besten zum Ziel kommt. Derzeit ist alles sehr diffus, man geht eher nach dem Motto ‚Pi mal Daumen’ vor.“

Wo ist der Wurm drin?

Dass Ärzte derzeit „nicht alles richtig“ machten, legt Zweiker anhand einer Studie dar: „7.200 Patienten in 62 Ordinationen waren einmal pro Quartal beim Arzt; bei einem Follow-up nach einem Jahr wurde der Blutdruck überprüft. Was sich zeigte? Bei den Ordinationen, bei denen 55 Prozent zur Initialvisite im Zielbereich waren, erhöhte sich der Wert nach einem Jahr auf 80 Prozent. Bei Ordinationen, deren Patienten nur zu 30 Prozent im Zielbereich waren, sank der Wert nach einem Jahr auf zehn Prozent. Dabei sind doch die bereits gut eingestellten Patienten viel schwieriger zu verbessern! Da stimmt manchmal die Qualität nicht.“ Als eine Ursache für die Schwierigkeit betrachtet der Internist die Compliance. Aber dass Blutdruckeinstellungen nicht funktionierten, liege in 58 Prozent der Fälle an medikamentösen Ursachen wie Intoleranzen oder Interaktionen; auch Lebensstilmodifikationen müssten „vom Arzt besser kommuniziert werden“.

Was kann ein DMP also leisten? „Das Programm kann bei einer Erkrankung wie der Hypertonie einen deutlichen Vorteil bringen, weil es dort gut funktioniert, wo in Bezug auf Lebensstiländerung oder Therapietreue Eigenverantwortung gefragt ist. Es unterstützt die Arzt-Patienten-Beziehung, verhindert Komplikationen und Folgeerkrankungen. Die Schulung der Ärzte ist ein relevanter Teil, es müssen Hypertonie-Experten ausgebildet werden, um die Qualität des Arztes zu sichern.“

Von Dr. Lydia Unger-Hunt, Ärzte Woche 42 /2009

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