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Foto: MSW
Dr. Sabine Perl Klinische Abteilung für Kardiologie, MedUni Graz
 
Innere Medizin 14. Oktober 2009

Fokus Hypertensiologie: Effektive Bluthochdruckschulung

Freie Zugänglichkeit für alle Hypertoniker wünschenswert.

Hypertonikerschulungen können signifikante Effekte hervorrufen: So will eine Grazer Untersuchung mit fast 1.500 Probanden zeigen, dass sich nicht nur diastolischer und systolischer Blutdruck senken, sondern auch das kardiovaskuläre Risiko deutlich reduzieren lassen.

Kann ein Schulungsprogramm tatsächlich die Blutdruckwerte eines hypertensiven Patienten positiv beeinflussen? Ja – und der Effekt ist sogar signifikant, erklärt Dr. Sabine Perl, Klinische Abteilung für Kardiologie an der Universitätsklinik für Innere Medizin Graz. Eine Studie dieser Abteilung zeigte, dass ein Jahr nach einer entsprechenden Schulung die „wesentlichen Parameter der hypertensiven Patienten sehr deutlich reduziert wurden“, so Perl. Beobachtet wurde eine hochsignifikante Reduktion des BMI, eine signifikante Reduktion des Gewichts, des systolischen und des diastolischen Blutdrucks sowie des kardiovaskulären Risikos (gemessen anhand des New Zealand Risk Score). Über die Auswirkungen auf den Blutdruck berichtet Perl: „Im Follow-up sahen wir eine Senkung des systolischen Drucks von 157 mmHg in der Ausgangssituation auf 141 mmHg, das bedeutet eine mediane Reduktion von 17 mmHg. Beim diastolischen Druck ergab sich eine Reduktion von 89 auf 82 mmHg, gemittelt also 7 mmHg. Das sind beeindruckende Ergebnisse.“ Des Weiteren bedeutete die signifikante Reduktion des kardiovaskulären Risikos eine Verminderung des New Zealand Risk Scores von 18 auf 14 Prozent, wobei diese Verminderung von vier Prozent einen „Abstieg“ in eine wesentlich schwächere Risikoklasse mit sich brachte, so die Expertin. Und: Auch der Lebensstil der Patienten änderte sich signifikant.

Wissenschaftliche Evaluierung

Insgesamt nahmen 1.452 hypertensive Patienten an dem Programm teil, das mittlere Alter betrug 63 Jahre, der durchschnittliche BMI 29, das kardiovaskuläre Risiko nach dem New Zealand Risk Score war erhöht, und der mittlere Blutdruck lag bei 156/89. Nach der Datenerhebung – Demographie, Rauch- und Sportverhalten, Blutdruckwerte – und einem Bluttest zur Bestimmung der relevanten Laborparameter wurden die Symptome des Patienten erfragt und anschließend eine ausführliche Erhebung der Therapie durchgeführt. Letzter Diskussionspunkt war die Besprechung des therapeutischen Ziels mit dem Patienten.

Stärkere Beteiligung erwünscht

Das Programm wird nun mittels einer randomisierten, kontrollierten Studie überprüft. Hierfür sind Studienzentren geplant, die jeweils 15 Patienten aufnehmen sollen. Diese werden dann in eine Interventions- und eine Kontrollgruppe randomisiert; Teilnehmer der Interventionsgruppe werden sofort geschult, bei der Kontrollgruppe wird zunächst lediglich eine Datenerhebung durchgeführt, die Schulung erfolgt nach sechs Monaten. Beide Gruppen werden ein Jahr später nachkontrolliert. Hauptziel ist die Differenz des systolischen Blutdrucks zwischen den beiden Gruppen nach sechs Monaten, Nebenziel sind unter anderem die Differenz des diastolischen Blutdrucks, das Lipidprofil, das kardiovaskuläre Risiko und die Lebensqualität. Zusammenfassend betont die Expertin: „Schulungsprogramme können effektiv und lang anhaltend Blutdruckwerte ändern. Es wäre daher wünschenswert, dass solche Programme jedem Hypertoniker frei zugänglich wären.“

Von Dr. Lydia Unger-Hunt, Ärzte Woche 42 /2009

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