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Foto: wikipedia
Die Saliera von Benvenuto Cellini: So kunstvoll kann Salz aufbewahrt werden. Hypertoniker sollten sich dennoch nicht verführen lassen und sparsam mit dem Salz sein.
 
Innere Medizin 15. Oktober 2009

Das Projekt herz.leben: den Blutdruck in den Griff bekommen

Interesse bei den Praktikern hält sich noch in Grenzen.

Der „große Unbekannte“ in der ärztlichen Praxis ist die Hypertonie. 50 Prozent der Betroffenen wissen nicht, dass ihre Blutdruckwerte zu hoch sind, nur jeder dritte wird behandelt, und von denen ist wiederum nur jeder zehnte normoton. Gute Gründe, einen anderen Weg einzuschlagen, doch der wird nicht überall angenommen.

 

„Wie können wir den Prozentsatz der behandelten Hypertoniker verbessern?“ Das sei die entscheidende Frage, sagt Dr. Herbert Ederer, Arzt für Allgemein-, Arbeits-, Sport- und Manualmedizin. Eine Möglichkeit wäre das Schulungsprojekt herz.leben. Vier Einheiten zu je 1,5 Stunden im wöchentlichen Abstand bieten Informationen zur Hypertonie generell, aber auch über die Durchführung der Blutdruck-Selbstmessung, die begleitende – auch nicht-medikamentöse – Therapie, Risikofaktoren wie Rauchen und Diabetes, die richtige Ernährung, den Umgang mit Komplikationen und die Notwendigkeit von Kontrolluntersuchungen.

Für die Schulung kommen Hypertonie-Patienten infrage, die in der Lage sind, Selbstmessungen auch korrekt durchzuführen und einen Blutdruck von über 160/95 oder einen Risikofaktor aufweisen, der im New Zealand Risk Score mit mehr als 15 Prozent definiert ist – dies betrifft beispielsweise die Mehrheit der Patienten mit Diabetes mellitus. Das steirische Projekt herz.leben ist außerdem dafür verantwortlich, Ärzte für die optimale Schulung der Hypertonie-Patienten auszubilden. In den vergangenen drei Jahren wurden 197 Ärzte ausgebildet, von denen allerdings nur 36 in weiterer Folge Schulungen auch durchgeführt haben. Insgesamt wurden in den vergangenen drei Jahren 1.450 Patienten geschult, wovon ein Drittel auch eine Nachschulung erhielt.

Wirtschaftlich uninteressant?

Zu den Kosten: Die Gebietskrankenkasse stellt Unterlagen zur Verfügung, der Selbstbehalt für die Patienten beträgt 11,90 Euro, das Honorar für den Arzt 608 Euro. Für eine Nachschulung werden noch einmal 152 Euro bezahlt oder 25 Euro pro geschultem Patienten, und auch die Dokumentation wird extra bezahlt. „Das heißt, für die Grundschulung, die Nachschulung und die Dokumentation gibt es ein Honorar von immerhin 950 Euro“, rechnet der Allgemeinmediziner vor. „Und trotzdem – wir haben Ärzte dazu befragt – ist das Programm für jeden zweiten wirtschaftlich uninteressant! Es gibt etwa 300 Hypertonie-Patienten pro Praxis – die Ökonomie kann hier nicht der wesentliche Knackpunkt sein. Aus meiner Sicht ist dies viel zu oft eine Ausrede, weil man etwas nicht machen will“, äußert sich Ederer kritisch.

Dennoch: „Grundsätzlich ist eine positive Einstellung zur Schulung vorhanden, auch die Ausbildung wird als sehr gut empfunden“, so der Praktiker. Es sei auch kein Problem, Patienten zu identifizieren, die von einer solchen Schulung profitieren würden – eher schon, die Betroffenen von der Notwendigkeit zu überzeugen, diese auch tatsächlich zu besuchen. Sein Fazit: „Geschulte Hypertonie-Patienten sind besser eingestellt und haben ihren Blutdruck besser im Griff. Bei mir ist die Schulung ein etabliertes Instrument in der täglichen Behandlung und hat sich sehr gut bewährt.“

Von Dr. Lydia Unger, Ärzte Woche 42 /2009

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