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Innere Medizin 1. März 2008

Medikamentös induzierte Verlängerung des QT-Intervalls

Eine Verlängerung der ventrikulären Repolarisation manifestiert sich im Oberflächen-EKG als Verlängerung des QT-Intervalls und stellt ein Risiko für das Auftreten einer bestimmten ventrikulären Rhythmusstörung, der so genannten "Torsades de pointes" Tachykardie dar. Torsades de pointes Tachykardien sind häufig selbstlimitierend und führen zu Palpitationen, Schwindel oder Synkopen. Sie können jedoch in Kammerflimmern degenerieren und damit zum plötzlichen Herztod führen. Neben den verschiedenen Formen des angeborenen langen QT-Syndroms (LQTS) verursachen viele kardiale und nicht kardiale Medikamente eine Verlängerung des QT-Intervalls. Zu den am häufigsten verwendeten gehören Antiarrhythmika (Klasse IA und III), antimikrobielle Substanzen, Antihistaminika, Psychopharmaka und Methadon. Die meisten Medikamente mit repolarisationsverlängernder Wirkung hemmen einen an der ventrikulären Repolarisation maßgeblich beteiligten Kaliumkanal. Daneben spielen Medikamenteninteraktionen und Metabolisierungsstörungen bei der erworbenen Form des LQTS eine große Rolle. Das individuelle Risiko und das Potential einer pharmakologischen Substanz zur Verlängerung der QT-Zeit sind nicht voraussagbar. Bestimmte Risikofaktoren identifizieren jedoch Patienten mit einem erhöhten Risiko für eine medikamentöse Verlängerung der QT-Zeit. Zu den korrigierbaren Risikofaktoren gehören insbesondere Elektrolytstörungen (speziell Hypokaliämie) und die gleichzeitige Verabreichung mehrerer QT verlängernder Medikamente. Die Therapie von Torsades de pointes erfolgt bei hämodynamischer Instabilität durch eine Defibrillation. Bei stabilem Kreislauf kann Magnesium i.v. Torsades de pointes beenden (membranstabilisierende Eigenschaften). Mittels temporärer tachykarder Schrittmacherstimulation können durch eine Verkürzung des QT-Intervalls therapierefraktäre Torsaden behandelt werden. Während einer Therapie mit QT verlängernden Medikamenten müssen regelmäßige EKG-Kontrollen erfolgen, insbesondere bei Änderungen der Medikamentendosis, einer Zusatzmedikation, sowie bei neu aufgetretenem Erbrechen oder Durchfall. Die Vielzahl an Medikamenten mit repolarisationsverlängernder Wirkung ist nicht überschaubar, sodass aktualisierte Listen solcher Medikamente im Internet weiterhelfen (z.B. www.qtdrugs.org).

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