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Innere Medizin 16. September 2009

Fasten vor Operationen ist obsolet

Neue Erkenntnisse in einem Konsensus-Statement erschienen.

Vor und nach einer Operation nur eine stark reduzierte Nahrungs- aufnahme – dieses Postulat galt einmal. Nach neuen Erkenntnissen und einem aktuellen Konsensuspapier gilt es nun aber nicht mehr.

 

„Es ist heute noch immer üblich, Patienten vor Operationen fasten zu lassen und nach Operationen längere Zeit nur flüssig zu ernähren“, kri-tisierte Prof. Dr. Michael Hiesmayr, Leiter der Wiener Universitätsklinik für Anästhesie, beim Jahreskongress der European Society for Clinical Nutrition and Metabolism (ESPEN), der vom 29.8. bis 1.9.2009 in Wien stattfand. Das sei kontraproduktiv für die Genesung und entspreche nicht den neuen Erkenntnissen.

„Enhanced Recovery After Surgery“ (ERAS) heißt das Konzept, das kürzlich als Konsensus-Statement erschienen ist und den Heilungsprozess nach Operationen optimal unterstützen soll. Dabei ist ein zentraler Ansatz, dass die normale Physiologie des Körpers möglichst wenig gestört und der natürliche Stoffwechsel möglichst aufrechterhalten werden soll – und damit auch die normale Nahrungsaufnahme und Darmfunktion.

„Auf der chirurgischen Seiten bedeutet das, durch wenig belastende Narkoseverfahren wie Epiduralanästhesie und schonende Operationsmethoden der minimal invasiven Chirurgie den Körper möglichst wenig Stress auszusetzen“, erklärt Hiesmayr. „Auch in der Ernährung gehen wir ganz neue Wege, nämlich kohlenhydratreiche Nahrung statt Fasten vor dem Eingriff, Vermeidung von zu hoher Flüssigkeitszufuhr und die Sicherstellung einer ausreichenden Ernährung nach dem Eingriff.“

Werden die ERAS-Empfehlungen eingehalten, können die meisten Patienten noch am Tag der Operation oder spätestens am Tag danach feste Nahrung zu sich nehmen. Dadurch benötigen Patienten weniger Infusionen und können das Krankenbett schneller verlassen. Hiesmayr: „Studien zeigen, dass die meisten Patienten in ERAS-Betreuung ab dem ersten Tag nach dem Eingriff bis zu 1.200 Kalorien über der regulären Nahrung zu sich nehmen können.“

 

Europäischer Kongress für klinische Ernährung in Wien/PA

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