zur Navigation zum Inhalt
 
Innere Medizin 1. August 2008

Bisphosphonat-assoziierte Osteonekrosen des Kieferknochens

Die intravenöse Verabreichung von Bisphosphonaten (BP) ist eine etablierte Basistherapie bei der Behandlung von Tumor-assoziierten Knochenmetastasen (osteoklastischen und osteoplastischen Metastasen) sowie schwerer Hyperkalzämien. Als unerwartete Komplikation dieser Behandlung wurde das Auftreten von Osteonekrosen im Kieferknochen (engl. BP-associated osteonecrosis of the jaw; ONJ) beschrieben. Die Diagnose der ONJ basiert auf drei Kriterien: a) die Patienten müssen mit BP behandelt worden sein; b) eine Wundheilungsstörung in der Mundhöhle, in 70–80% assoziiert mit einem exponierten, nekrotischen Kieferknochen, besteht länger als 8 Wochen und c) eine vorangegangene Radiotherapie des Kopf/Halsbereiches hat nicht stattgefunden. Die Pathogenese der ONJ steht im möglichen Zusammenhang mit der Akkumulation von Mikrofrakturen, die als Folge eines eingeschränkten Knochenumbaus, bei gleichzeitig hoher funktioneller Belastung des Kieferknochens, auftreten. Die kumulative Inzidenz der ONJ beträgt etwa 1 bis 10% bei Tumorpatienten, wobei ein Zusammenhang mit der antiresorptiven Potenz der einzelnen BP sowie deren Molekülstruktur besteht. Schon nach 2–3 Infusionen/Injektionen kann eine ONJ auftreten. Diese Komplikation tritt bei Patienten mit Multiplem Myelom häufiger auf als bei Patienten mit anderen onkologischen Grunderkrankungen, wie metastasiertem Mamma- oder Prostatakarzinom, was allerdings auch mit dem häufigeren Einsatz von BP bei Multiplem Myelom verbunden werden kann. Zahnärztliche Eingriffe sind in 80% auslösend für die Entstehung der ONJ. Patienten werden im Sinne eines klinischen Stagings in drei Kategorien eingeteilt und ein entsprechendes Behandlungskonzept angewandt. Weiterführende prospektive klinische Studien sind erforderlich, um die Ätiopathogenese besser zu verstehen und darauf aufbauend die Behandlungsstrategien zu optimieren und Risikofaktoren und Prognose besser abschätzen zu können.

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben