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Innere Medizin 2. September 2009

Kranke Dicke leben länger

Natürlich kein Freibrief für Übergewicht: "Bisher stand das Thema Übergewicht immer nur als Risikofaktor für zahlreiche Erkrankungen im Mittelpunkt des Interesses. Inzwischen zeigen aber immer mehr Untersuchungen, dass dies differenzierter zu betrachten ist", erklärte der Wiener Experte Michael Hiesmayr, Präsident der European Society for Clinical Nutrition and Metabolism (ESPEN) in Wien.

Dicke haben nämlich bei schweren Krankheiten ein geringeres Todesrisiko als sehr schlanke Personen. Die wichtige neue Einsicht der Ernährungsexperten: In Sachen Übergewicht unterscheiden sich Gesunde und chronisch Kranke massiv. "Reverse epidemology" oder "Adipositas-Paradoxon" lautet die Formel der Spezialisten für das Phänomen, dass bei Gesunden die zusätzlichen Kilos krank machen können, bei chronisch kranken Menschen hingegen die Körperfülle eine schützende Wirkung entwickelt und die Sterblichkeit senkt. "Je schwerer die Erkrankung ist, desto mehr profitiert man von einem erhöhten Körpergewicht", so Hiesmayr.

Gezeigt wurde das Phänomen zum Beispiel in der großen, von Hiesmayr initiierten, Nutrition-Day-Studie mit mehr als 55.000 Patienten, die in europäischen Krankenhäusern aufgenommen waren: Das Risiko zu sterben war bei mangelernährten Patienten doppelt so hoch wie bei Patienten mit einem normalen BMI (18,5-25). Patienten, die adipös (BMI 25) oder stark adipös (BMI 30-35) waren, hatten im Gegensatz dazu ein um 40 Prozent geringeres Sterberisiko als Normalgewichtige.

Der Experte: "Solche Erkenntnisse dürfen natürlich nicht als Aufforderung zur Übergewichtigkeit missverstanden werden. Übergewicht ist in unserer Gesellschaft ein ernstes Problem und ein Risikofaktor für eine Reihe von Krankheiten."

apa.at

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