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Innere Medizin 1. November 2007

Kutane Leishmaniose – Import aus Belize

Die kutane Leishmaniose der "neuen Welt" birgt bei Infektionen mit Leishmanien des L. (Leishmania) brasiliensis-Komplexes das Risiko einer lympho- und hämatogenen Streuung und einer daraus resultierenden mukokutanen Leishmaniose mit Destruktionen im HNO-Bereich in sich. Eine derartige Streuung kann Jahre nach Infektion, auch nach Abheilung der Hautläsionen, auftreten. Im Gegensatz dazu bleibt die kutane Leishmaniose der "alten Welt" auf den Bereich des infektiösen Insektenstichs begrenzt, weshalb ein zurückhaltendes diagnostisches und therapeutisches Vorgehen oft ausreichend ist. Bei in der "neuen Welt" erworbenen Infektionen ist hingegen einer effektiven systemischen Therapie der Vorzug zu geben, wenn nicht ausgeschlossen ist, dass die kutane Leishmaniose durch eine Spezies des L. brasiliensis-Komplexes verursacht wurde. Wir berichten über drei Soldaten des österreichischen Bundesheeres, die an einer Ausbildung im Dschungel von Belize, Mittelamerika, teilnahmen, und sich mehrere Wochen nach der Rückkehr nach Europa mit multiplen Ulzera an den oberen Extremitäten präsentierten. Die Diagnose einer kutanen Leishmaniose wurde durch Histologie aus Biopsien gestellt, in denen Leishmanien-Körperchen nachgewiesen werden konnten. Der direkte Erregernachweis gelang auch in einem Nativ-Abstrich-Präparat. Eine Speziesdiagnostik konnte nicht durchgeführt werden, womit eine Infektion mit Erregern des L. brasiliensis-Komplexes und damit eine spätere mukokutane Verlaufsform nicht ausgeschlossen werden konnte. Nach frustranen Therapieversuchen mit 15%igem Paromomycin (Humatis Pulvis®, Parke-Davis) und Kryotherapie lokal sowie Fluconazol (Diflucan®, Pfizer) 200 mg/d p.o., entschlossen wir uns zu einer intravenösen Systemtherapie. Diese erfolgte mit insgesamt drei Infusionen von jeweils 300 mg Pentamidin (Pentacarinat®, Gerot), entsprechend der empfohlenen Dosierung von 3–4 mg/kg KG, was nach mehrmonatigem Bestand der Läsionen zu einer Abheilung innerhalb weniger Wochen führte.

Jakob Schnedl, Herbert Auer, Marcellus Fischer, Herbert Tomaso, Tom Pustelnik, Gerhard Mooseder, Wiener klinische Wochenschrift

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