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Bevor Grenzwerte umgeschrieben werden, muss klar sein, wer wirklich von der Blutdrucksenkung profitiert, wird in einem Kommentar gefordert.
 
Innere Medizin 25. August 2009

Neuer Zielwert: 130 mm HG systolisch?

Das Behandlungsziel bei Niedrigrisiko-Patienten mit Hypertonie soll geändert werden, schlagen nach einer Studie italienische Forscher in The Lancet vor.

Eine Therapie zur Verringerung des hohen systolischen Blutdrucks bei nichtdiabetischen Patienten ist mit einem Rückgang der linksventrikulären Hypertrophie (LVH) verknüpft. Eine Absenkung des systolischen Blutdruckwerts auf unter 130 mm Hg soll nach einer Studie daher das Behandlungsziel bei Niedrigrisiko-Patienten mit hohem Blutdruck darstellen.

 

Frühere Studien stützen die Forderung nach einem Blutdruck-Zielwert von unter 130/80 mm Hg bei Hochrisiko-Patienten mit Herzkreislauf-Erkrankungen oder Diabetes. Auf welchen Wert jedoch der systolische Blutdruck bei jenen Patienten gesenkt werden soll, die kein hohes kardiovaskuläres Risiko haben, war noch unklar. Das Team um den Kardiologen Dr. Paolo Verdecchia vom italienischen ANMO Research Centre (Associazione Nazionale Medici Cardiologi Ospedalieri) in Florenz untersuchte nun die kardiovaskulären Effekte eines systolischen Zielwerts von unter 130 mm Hg im Vergleich zu einem Zielwert von unter 140 mm Hg bei Nichtdiabetikern mit hohem Blutdruck.

Insgesamt wurden 1.111 nichtdiabetische Patienten im Alter von mindestens 55 Jahren und mit einem systolischen Blutdruck von 150 mm Hg oder höher aus 44 Zentren in Italien erfasst. Den Patienten wurde randomisiert ein systolischer Blutdruck-Zielwert von unter 140 mm Hg oder von unter 130 mm Hg zugeordnet. Die Werte wurden mittels Blutdruck senkender Medikamente verringert. Der Blutdruck wurde im Verlauf von zwei Jahren alle vier Monate überprüft. Die Patienten wurden zudem nach zwei Jahren mit Blick auf eine LVH untersucht.

Über zwei Jahre hinweg half die strenge (<130 mm Hg) im Vergleich zur herkömmlichen Kontrolle (<140 mm Hg), die Wahrscheinlichkeit von LVHs und klinischen Ereignissen zu verringern.

Insgesamt lagen in der streng kontrollierten Gruppe der systolische Blutdruck um 3,8 mm Hg und der diastolische um 1,5 mm Hg niedriger. Die Patienten der herkömmlich kontrollierten Gruppe wiesen nach zwei Jahren ein höheres Risiko einer LVH (17 %) auf als die der strengen Kontrollgruppe (11,5 %). Zwar war die Anzahl der Ereignisse mit klinischen Ergebnisparametern niedrig, Koronarrevaskularisation und erneut einsetzendes Vorhofflimmern traten in der streng kontrollierten Gruppe aber signifikant seltener auf.

Die Autoren folgern: „Die Ergebnisse sprechen für einen niedrigeren Blutdruck-Zielwert als den gegenwärtig für nichtdiabetische Bluthochdruck-Patienten empfohlenen.“ In einem begleitenden Kommentar fordert Bo Carlberg vom schwedischen Universitätskrankenhaus in Umeå vor einer Änderung der aktuellen Empfehlungen weitere Studien, um festlegen zu können, welche Patientengruppen davon tatsächlich profitieren.

 

Quelle: Verdecchia, P. et al. The Lancet 2009; 374 (9689): 525–33

Kommentar: Carlberg, B., ebd. 503–4

TheLancet.com/PH, Ärzte Woche 35 /2009

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