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Innere Medizin 1. Mai 2007

Massive Knochenmarksinfiltration bei einem Patienten mit kolorektalem Karzinom nach Therapie mit akt

Wir berichten über einen Patienten mit lokalisiertem kolorektalem Karzinom, welcher aufgrund postoperativer septischer Komplikationen mit aktiviertem Protein C (APC) behandelt wurde. Kurz darauf gaben eine symptomatische, transfusionspflichtige Thrombozytopenie und Anämie Anlass zu weiterführenden diagnostischen Maßnahmen, welche eine massive Knochenmarksinfiltration und leukämische Ausschwemmung von kolorektalen Tumorzellen mit konsekutiver Verdrängung der örtlichen Hämatopoese aufdeckten. Das Vorkommen von einzelnen Tumorzellen, sowohl im peripheren Blut als auch im Knochenmark, ist bei kolorektalen Karzinomen eher die Regel als die Ausnahme. Eine symptomatische Knochenmarksinfiltration hingegen stellt eine bisher nicht beschriebene Rarität dar. Die überwältigende Mehrheit der im KM detektierten Tumorzellen scheint sich in einem 'schlafenden', nicht-proliferierenden Zustand zu befinden. Ob, wann und wodurch ein 'Aufwachen' dieser Zellen hervorgerufen wird, sowie die prognostische Signifikanz und vor allem klinische Relevanz dessen, ist noch unklar. Da APC in diverse für Tumorwachstum und Metastasierung unabkömmliche Signalübertragungswege regulatorisch eingreift, spielt die postoperative Behandlung mit antiinflammatorischem, immunmodulierendem APC möglicherweise eine erhebliche Rolle in diesem ungewöhnlichen Krankheitsverlauf. Es wird in diesem Fallbericht auf den möglichen Beitrag von Sepsis, der Behandlung mit APC, und der bei unserem Patienten außergewöhnlich hohen D-dimer- und CA19-9-Werte an diesem höchst ungewöhnlichem Krankheitsverlauf eingegangen. Nach einer ausführlichen Literatursuche ist dieser Case Report nach unserem besten Wissen der erste literarisch dokumentierte Fall, bei dem es durch KM-Infiltration mit CRC-Zellen zur Verdrängung der ortsständigen Hämatopoiese mit konsekutiver symptomatischer, transfusionspflichtiger Thrombozytopenie und Anämie gekommen ist. Tatsächlich kann eine Beteiligung von APC an diesem ungewöhnlichen Krankheitsverlauf nicht ausgeschlossen werden. Daher sollte diese Substanz bei Patienten, die man mit kurativer Absicht behandelt, mit Zurückhaltung eingesetzt werden.

Lisa Pleyer, Philip Went, Gudrun Russ, Erika Prinz, Viktoria Faber, Hans-Joachim Röwert, Renate Karlbauer, Richard Greil, Wiener klinische Wochenschrift

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