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Abb. 1: ATHENA: signifikanter Benefit durch Dronedaron in Bezug auf den primären Endpunkt. Quelle: Wiener Klin Magazin 2008; 11(5):16-17
 
Innere Medizin 9. Juli 2009

Dronedaron-Therapie bei Vorhofflimmern

Multaq® – Antiarrhythmikum mit neuen Benefits

Vorhofflimmern ist die häufigste Herzrhythmusstörung und als solche mit einer hohen Mortalität und Morbidität verbunden. Die Prävalenz von Vorhofflimmern beträgt etwa 1 %, wird aber bis 2050 auf 2–5 % steigen (1). Die zwei prinzipiellen Behandlungsstrategien des Vorhofflimmerns sind die Wiederherstellung und Erhaltung des Sinusrhythmus (Rhythmuskontrolle) oder die Kontrolle der ventrikulären Antwort bei persistierendem Vorhofflimmern (Herzfrequenzkontrolle). Die derzeit verfügbaren Antiarrhythmika sind limitiert durch eine suboptimale Effektivität und haben eine schlechte Tolerabilität und hohe Nebenwirkungsrate. Amiodaron gilt mit einem sehr niedrigen proarrhythmischen Potential am effektivsten, hat jedoch ein breites Spektrum an extrakardialen Nebenwirkungen, die auf die Jodgruppe im aromatischen Ring zurück zu führen sind. Dronedaron ist ein nicht-jodiertes Benzofuran Derivat und weist ähnliche elektrophysiologische Aktivität auf wie Amiodaron, jedoch mit einem besseren Nebenwirkungsprofil. Es hat antiarrhythmische Effekte auf alle 4 Klassen nach Vaughan-Williams und steht vor der klinischen Zulassung.

Klinische Studien

In der DAFNE-Studie wurde die tägliche Gabe von 800 mg, 1200 mg und 1600 mg Dronedaron versus Plazebo untersucht. Es konnte gezeigt werden, dass 2 x 400 mg Dronedaron die höchste Effektivität hinsichtlich der Prävention von Rezidiven nach Vorhofflimmern nach Kardioversion hat (2). Auch hinsichtlich der sekundären Endpunkte Spontankonversion und ventrikuläre Herzfrequenz im Falle eines Vorhofflimmerrezidivs war Dronedaron 800 mg effektiv.

 

Die EURIDIS- (European Trial In Atrial Fibrillation or Flutter Patients receiving Dronedaron for the maintenance of Sinus Rhythm) und die ADONIS-Studie (American-Australian-African Trial with Dronedaron In Atrial Fibrillation or Flutter Patients for the Maintenance of Sinus Rhythm) untersuchten die Sicherheit und Effektivität von Dronedaron bei Patienten mit Vorhofflimmern oder Vorhofflattern in der Anamnese (3). In beiden Studien war die Zeit bis zum Wiederauftreten von Vorhofflimmern als primären Endpunkt in der Dronedarongruppe signifikant verlängert. Die Inzidenz von pulmonalen Nebenwirkungen, Schilddrüsenfunktionsstörungen und Torsades des pointes war nicht erhöht. In der kombinierten Analyse zeigte sich kein signifikanter Unterschied hinsichtlich der Gesamtmortalität. Darüber hinaus war es im Falle eines Vorhofflimmer-Rezidivs auch effektiv in der Herzfrequenzkontrolle. Die wirksame Reduktion der Herzfrequenz bei Patienten mit permanenten Vorhofflimmern sowohl in Ruhe als auch unter Belastung wurde in der ERATO-Studie (Efficacy and Safety of Dronedaron for The COntrol of Ventricular Rate during Atrial Fibrillation study) nachgewiesen (4).

 

In der ANDROMEDA- (ANtiarrhythmic Trial with Dronedaron in Moderate to Severe Heart Failure Evaluating Morbidity DecreAse) Studie wurde Patienten mit rezenter Herzinsuffizienz NYHA III–IV Dronedaron verabreicht (5). Die Studie wurde vorzeitig wegen erhöhter Mortalität in der Dronedaron-Gruppe abgebrochen. Ursächlich dürfte das Absetzen von ACE-Hemmern und Angiotensinblockern aufgrund eines Kreatininanstiegs gewesen sein.

In der prospektiven, multizentrischen ATHENA-Studie (4628 Patienten) wurde ein völlig neuer Ansatz verfolgt und ein „harter“ Endpunkt, nämlich die Zeit bis zur ersten kardiovaskulären Hospitalisation bzw. bis zum Tod untersucht (6) (Abb. 1).

Dabei zeigte sich, dass Dronedaron im Vergleich zu Plazebo diesen primären kombinierten Endpunkt um 24 % (p < 0,001) reduzieren konnte. Des Weiteren fand sich eine 30 %ige Reduktion hinsichtlich des kardiovaskulären Todes (p < 0,03), die auf eine 45 % Reduktion des arrhythmischen Todes zurück zu führen ist.

 

Darüber hinaus fanden sich eine 25,5 %ige Reduktion der kardiovaskuären Hospitalisationen und eine 16 %ige, statistisch nicht signifikante Reduktion der Gesamtmortalität (p = 0,18). ATHENA ist die größte je durchgeführte Antiarrhythmikastudie und die einzige, die eine Reduktion der Mortalität nachweisen konnte. Die Dionysosstudie untersuchte die Effektivität von Dronedaron im Vergleich zu Amiodaron, ist aber noch nicht publiziert.

Zusammenfassung

Dronedaron ist eines der vielversprechendsten neuen Antiarrhythmika in der Behandlung des Vorhofflimmerns und das erste Antiarrhythmikum, das die Mortalität senken konnte. Bei entsprechender Patientenauswahl wird es einen hohen Stellenwert in der Behandlung des Vorhofflimmerns haben.

Literatur

 

 

1. Miyasaka Y, Barnes ME, Gersh BJ et al (2006)  Secular trends in incidence of atrial fibrillation in Olmsted County, Minnesota, 1980 to 2000, and implications on the projections for future prevalence. Circulation 114: 119-125

2. Touboul P, Brugada J, Capucci A, Crijns HJ, Edvardsson N, Hohnloser SH (2003) Dronedarone for prevention of atrial fibrillation: a dose-ranging study. Eur Heart J 24, 1481-1487

3. Singh BN, Connolly SJ, Crijns HJ, Roy D, Kowey PR, Capucci A, et al (2007) Dronedarone for maintenance of sinusrhythm in atrial fibrillation or flutter. N Engl J Med 357: 987-999

4. Davy JM, Herold M, Hoglund C, et al (2008) Dronedarone for the control of ventricular rate in permanent atrial fibrillation: the Efficacy and safety of dRonedArone for the cOntrol of ventricular rate during atrial fibrillation (ERATO) study. Am Heart J 156: 527.e1-9

5. Doggrell SA, Hancox JC (2004) Dronedarone: an amiodarone analogue. Expert Opin Investig Drugs 13: 415-426

6. Hohnloser SH, Crijns HJ, van Eickels M (2009) Effect of Dronedarone om cardiovascular events in atrial fibrillation. N Engl J Med 360: 668-678

Zur Autorin
Ao. Univ.-Prof. Dr. Marianne Gwechenberger
Klinische Abteilung für Kardiologie
Universitätsklinik für Innere Medizin II
Medizinische Universität Wien
Währinger Gürtel 18-20
1090 Wien
Fax: ++43/1/40400-4216
E-Mail:

Marianne Gwechenberger, Klinische Abteilung für Kardiologie, Universitätsklinik für Innere Medizin II, Medizinische Universität Wien, Wiener Medizinische Wochenschrift Skriptum 6/2009

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