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Abb. 1: Idraparinux – Wirksamkeit: hohe Effizienz im Vergleich zum NMH vor allem in der Therapie der TVT und des Vorhofflimmerns
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Abb. 2: Idraparinux – Verträglichkeit

 
Innere Medizin 9. Juli 2009

Idrabiotaparinux

Neues Konzept der Antikoagulation

Die Evidenz der Antikoagulation zur Vermeidung thrombotischer und thromboembolischer Ereignisse wurde in den 60-iger Jahren mit der Entwicklung des unfraktionierten Heparins getätigt. Zur Langzeitantikoagulation haben sich die Vitamin K-Antagonisten etabliert. Seither ist es immer Ziel gewesen, diese Ausgangssituation zu optimieren und zwar in der Steigerung der Effizienz der antithrombotischen Wirkung mit gleichzeitiger Reduktion der durch die Antikoagulation hervorgerufenen Blutungskompli- kationen.

Ein Meilenstein gelang mit der Entwicklung und Einführung der niedermolekularen Heparine (NMH). Dadurch konnte die Effizienz je nach Einsatzgebiet zum Teil signifikant gesteigert werden. Im Bereich der Prävention tiefer Venenthrombosen (VTE) im Rahmen orthopädischer Operationen gelang eine Senkung der VTE-Rate von 21,2 % unter UFH auf 13,8 % unter NMH, mit ähnlichen Ergebnissen zugunsten der NMH in den übrigen Einsatzgebieten. In die Langzeitantikoagulation haben die NMH aber nicht Eingang gefunden, vor allem deshalb, da die zumindest tägliche subkutane Injektion von vielen Patienten als belastend empfunden wird bzw. die Verabreichung einer täglichen Dosis die über die Hochrisikoprophylaxe hinausgeht nach wie vor chefarztpflichtig ist.

Die herkömmliche gut etablierte Langzeitprophylaxe mit oralen Antikoagulantien ist gut etabliert und billig, aber nicht effizient. Gut 1/3 der Patienten mit Langzeitdauerantikoagulation ist während ihres Therapiezeitraumes nicht im therapeutischen Bereich, wodurch ein enormes Blutungs- und Thromboembolierisiko entsteht. Außerdem sind regelmäßige Gerinnungskontrollen von Nöten.

Anforderung an ein ideales Antikoagulans

Die Anforderungen an ein ideales Antikoagulans sind daher wie folgt:

  • breites therapeutisches Fenster,
  • große Dosierungsintervalle,
  • kein Gerinnungsmonitoring,
  • keine Nahrungsmittel und Medikamentenunverträglichkeiten,
  • rasche Antagonisierbarkeit.

 

Die Entwicklung der nun als sogenannte „neue Antithrombotika“ geltenden Substanzen hat sich die oben genannten Anforderungen zum Ziel gesetzt. Das Zentrum der Weiterentwicklung ist in jeder der neuen Antithrombotika das möglichst selektive Eingreifen in die Gerinnungskaskade, wodurch sich vor allem das Potential der Blutungskomplikationen verringern soll.

Idraparinux

Mit Idraparinux, einem Pentasaccharid der 2. Generation, einem indirekter Faktor Xa-Inhibitor mit hoher Anti Xa-Selektivität wurde ein revolutionäres Konzept der Langzeitantikoagulation eingeleitet. Mit dieser Substanz ist nunmehr eine nur mehr einmalige wöchentliche subkutane Verabreichung nötig; dies ergibt sich aus der langen Halbwertszeit von 120 Stunden. Das Studienprogramm für diese Substanz zeigte zum größten Teil hohe Effizienz im Vergleich zu NMH, vor allem in der Therapie der TVT und des Vorhofflimmerns, jedoch gerade in der Indikation Vorhofflimmertherapie auch hohe Blutungskomplikationen (Abb. 1 und 2). Der Kritikpunkt der Blutungskomplikationen wurde zum Anlass genommen, aus einer hocheffizienten nicht antagonisierbaren Substanz eine hocheffiziente antagonisierbare Substanz weiterzuentwickeln.

Idrabiotaparinux antagonisierbar

Dies ist mit Idrabiotaparinux gelungen. Die Substanz wurde in ihrer chemischen Struktur so umgeändert, dass nun eine Antagonisierbarkeit möglich ist.

 

Dies gelingt durch die Verabreichung von Avidin, einem Hühnereiweißabkömmling, wodurch mittels intravenöser Applikation innerhalb weniger Minuten die vollständige Antagonisierung des Idrabiotaparinux gelingt. Derzeit laufen mit der Substanz in allen Indikationen zur Thrombose- und Thromboembolietherapie und -prophylaxe Studien in der klinischen Phase III. Die Therapiestudie in der Indikation tiefe Venenthrombose ist abgeschlossen und hat in den am ASH 2008 präsentierten Teilergebnissen eine signifikante Senkung der VTE Ereignisse im Vergleich zu Idraparinux gezeigt, aber auch die Blutungskomplikationen konnten signifikant gesenkt werden.

Marianne Brodmann, Klinische Abteilung für Angiologie, Universitätsklinik für Innere Medizin, Medizinische Universität Graz, Wiener Medizinische Wochenschrift Skriptum 6/2009

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