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Abb. 1: REACH – hoher Anteil mit polyvaskulärer Erkrankung

Abb. 2: REACH – Ereignisrate nach 1 Jahr

 
Innere Medizin 9. Juli 2009

Cross Risk bei Schlaganfallpatienten

Sämtliche Risikofaktoren einbeziehen und intensiv behandeln

Die Atherosklerose ist eine System-erkrankung mit Manifestationen in mehr als einem Zirkulationsgebiet beim Großteil der Patienten. Im Rahmen eines akuten Schlaganfalls ist es sinnvoll, nach einer ko-existenten PAVK zu fahnden, zumal bekannt ist, dass der Nachweis einer peripheren Durchblutungsstörung das Risiko der Patienten, an einem kardiovaskulären Ereignis zu versterben, deutlich erhöht.

Global denken

Die DETECT-Studie hat gezeigt, dass fast jeder zweite Schlaganfallpatient zusätzlich eine KHK oder PAVK aufweist (1). Von den 753 Patienten, die im Rahmen eines akuten ischämischen Schlaganfalls in die Studie einschlossen wurden, gaben 30 % bei Einschluss eine bekannte atherothrombotische Gefäßerkrankung außerhalb des zerebralen Zirkulationsgebietes an. Durch ein gezieltes Screening erhöhte sich dieser Anteil auf 47,5 %.

Wichtige Informationen über das Cross Risk von Atherosklerosepatienten liefern mittlerweile auch die Daten des REACH-Registers. Diese Datenbank wurde initiiert, um die Prävalenz von Risikofaktoren sowie die reale Behandlungssituation weltweit zu evaluieren. Inzwischen sind rund 68.000 Patienten aus 44 Ländern in dieses Register aufgenommen worden, knapp 18.000 davon stammen aus Europa. Kriterien für die Aufnahme in das Register sind eine dokumentierte koronare, zere-brale oder periphere Gefäßerkrankung. Ebenfalls eingeschlossen werden können gesunde Personen, die mindestens drei etablierte kardiovaskuläre Risikofaktoren aufweisen.

Ergebnisse des REACH-Registers

Die Basisdaten zeigen, dass rund 16 % der erfassten Patienten eine polyvaskuläre Erkrankung aufweisen (Abb. 1) (2). Ungefähr 28 % der Patienten gaben bei Aufnahme in das Register eine zerebrovaskuläre Erkrankung an. In 71 % der Fälle bestand ein Zustand nach Schlaganfall, in 51 % ein Zustand nach TIA und 20 % der Patienten hatten bereits einen Insult und eine TIA erlitten. Bei etwa 40 % der Patienten war eine ko-existente KHK oder PAVK bekannt.

Das Follow-up zeigt hohe Ereignisraten im Kollektiv der Patienten mit polyvaskulärer Erkrankung (Abb. 2) (3). Für das CAVK-Kollektiv zeigen die aktuellen 2-Jahresdaten ein beträchtlich erhöhtes Risiko der Patienten, an einem kardiovaskulären Ereignis zu versterben (4, 5). Gleichzeitig zeigen die Daten, dass viele Patienten untertherapiert sind und die Guideline-konformen Therapieziele nicht erreicht werden. Umso wichtiger erscheint es, die Sekundärprävention nach Schlaganfall weiter voranzutreiben. Basis ist eine exakte Erfassung des individuellen Risikos unter Berücksichtigung des möglichen Vorliegens einer PAVK.

ÖCROSS

Eine einfache Möglichkeit, eine ko-existente PAVK objektiv zu erfassen, ist die Bestimmung des Knöchel-Arm-Index (ABI). In der SCALA-Studie, die an deutschen Stroke Units durchgeführte wurde, hatten 51 % der Patienten erniedrigte Werte (≤ 0,9) entsprechend dem Nachweis einer PAVK (6). Das Cross Risk-Register der Österreichischen Stroke Units überblickt derzeit 750 Patienten, bei denen eine Bestimmung des ABI durchgeführt wurde. 44 % der Patienten hatten einen Wert von ≤ 0,9, anamnestische Hinweise für das Vorliegen eine peripher arterielle Verschlusskrankheit waren nur bei 7% der Patienten zu erheben.

Fazit

Insgesamt ist es zu empfehlen, im Rahmen eines akuten zerebrovaskulären Ereignisses zur besseren Einschätzung des individuellen Risikos ein ABI-Screenning durchzuführen, zumal im Falle einer ko-existenten PAVK die Betroffenen als Hochrisikopatienten einzustufen sind. Sämtliche Risikofaktoren müssen in dieser Situation intensiv behandelt werden, mit besonderem Augenmerk auf eine adäquate Hemmung der Thrombozytenfunktion.

 

 

Literatur

 

 

1. Cerebrovasc Dis 2006; 21: 60-66

2. JAMA 2006; 295: 180-189

3. JAMA 2007; 297: 1197-1206

4. Cerebrovasc Dis 2008; 25: 366-374

5. Stroke 2009; 40: 350-354

6. J Neurol 2007; 11: 1562-1568

 

Redaktion: Dr. Anita Kreilhuber
Zum Autor
Prim. Univ.-Prof. Dr. Franz Aichner
Neurologische Abteilung
Landes-Nervenklinik Wagner-Jauregg
Wagner-Jauregg-Weg 15
4020 Linz
Fax: ++43/50/554 62-25704
E-Mail:

Franz Aichner, Neurologische Abteilung, Wagner-Jauregg-Spital, Linz, Wiener Medizinische Wochenschrift Skriptum 6/2009

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