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Innere Medizin 9. Juli 2009

Lungenleiden in die Wiege gelegt

Bis zum Schulalter entscheidet sich offenbar, wer für COPD besonders empfänglich wird.

Schon im Mutterleib kann die spätere Lungenfunktion des Kindes beeinträchtigt werden. Späteres Passivrauchen schädigt die Gesundheit weiter. Wer später dann noch raucht, hat dadurch ein hohes COPD-Risiko. Daher fordert Prof. Dr. Andrew Bush dringend Präventionsmaßnahmen.

 

Die chronisch obstruktive Lungenerkrankung wird üblicherweise als das Leiden der erwachsenen Raucher gesehen. „Die Anfänge dafür liegen aber im Säuglings- und Kindesalter. Das Rauchen ist später der auslösende Faktor“, erklärte aus Anlass des diesjährigen Jahreskongresses der Österreichischen Gesellschaft für Pneumologie der britische Experte Prof. Dr. Andrew Bush (Royal Brompton Hospital, London). Langjähriges Rauchen ist eindeutig der Auslöser für das Leiden, aber es müssen auch andere – genetische, umweltbedingte – Ursachen mitbeteiligt sein.

Lungenfunktion mit Ende der Vorschulzeit fixiert

Die COPD mit der schnellen Abnahme der Lungenfunktion bis in die Sauerstoff-Mangelversorgung des Körpers im Endstadium stellt mit weltweit einer Milliarde Betroffener ein enormes Problem dar. „Aus epidemiologischen Studien gibt es deutliche Hinweise dafür, dass die ersten sechs Jahre im Leben für die spätere Lungenfunktion entscheidend sind“, mahnte Bush. Kinder, die in den ersten Lebensjahren unter „Wheezing“ leiden, zeigen schon von Beginn an eine verminderte Lungenfunktion. „Es deutet alles darauf hin, dass die Lungenfunktion mit Ende der Vorschulzeit fixiert ist. Obwohl die Details noch nicht klar sind, scheint die Entwicklung von diesem Zeitpunkt an wie auf Schienen zu laufen – bis zum Tod.“

Wahrscheinlich wird der Beginn für eine spätere COPD sogar schon vor der Geburt gelegt: In der zweiten Hälfte der Schwangerschaft ist das Ungeborene laut Bush besonders verletzlich, was seine Lungenentwicklung angeht. Umweltbelastungen können das Kind nach der Geburt bis in die Jugend hinein zusätzlich schädigen. „Das Ungeborene einer rauchenden Mutter raucht mit. Studien haben ganz klar gezeigt, dass Kinder von rauchenden Müttern eine geringere Lungenfunktion haben. Das trifft auch auf Kinder von Müttern mit Asthma zu. Das Aufwachsen in einem Raucherhaushalt schädigt Kinder bis ins Erwachsenenalter hinein“, so Bush.

Längst nicht so klar ist der Zusammenhang mit viralen Infekten. Hier fehlen noch eindeutige Studienergebnisse.

Varianten des Gens ADAM33, das für den Beta-Rezeptor kodiert, und Varianten weiterer Erbanlagen spielen eine Rolle. Das ist wichtig, aber nicht veränderbar. Erst zusammen mit der Umwelt (Belastung durch Tabakrauch etc.) ergibt sich das Gemisch aus Faktoren, in dem die COPD ihren Anfang nimmt.

Ein besonderes Anliegen ist Bush die Rauchprävention, da dadurch die Auslösung der COPD verhindert werden kann. Vom Nichtrauchen profitiert jeder Mensch, aber Babys und Kinder gewinnen offenbar noch mehr als Erwachsene.

Saftige Strafen gefordert

Zur Prävention forderte Bush, Zigarettenrauchen aus der Öffentlichkeit zu verbannen, außerdem Werbung für Tabakwaren zu verbieten und schwere Strafen (Geschäftsschließung, Gefängnisstrafen) für diejenigen zu verhängen, die Zigaretten an Kinder verkaufen.

„Dein Kind raucht mit!“

Auch eine Kampagne für junge Frauen hält Bush für wichtig: „Wenn Du als Schwangere rauchst, raucht Dein Kind mit. Das wird Dein Baby sein ganzes Leben lang schädigen. Man hilft dem Ungeborenen auch noch, wenn man in der frühen Schwangerschaft mit dem Rauchen aufhört.“

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