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Innere Medizin 9. Juli 2009

Immuntherapie von Krebserkrankungen voranbringen

Österreichische Erkenntnisse sollen die Entwicklung einer personalisierten Antitumor-Therapie ermöglichen.

Einer der wichtigsten Regulatoren der T-Zellen ist das Protein Cbl-b. Es ist dafür zuständig, Toleranz gegen körpereigene Strukturen zu erzeugen und aufrechtzuerhalten. Droht jedoch Gefahr, muss der „Türwächter“ seinen Platz räumen, damit die T-Zellen aktiviert werden können. Wie dies geschieht, war bisher unklar.

 

Dr. Thomas Gruber und andere Wissenschaftler aus der Gruppe von Prof. Dr. Gottfried Baier von der MedUni Innsbruck haben dazu beigetragen, das Rätsel rund um Cbl-b zu lösen: Sie haben den Gegenspieler gefunden, die Protein Kinase C-theta (PKC-theta), die den Abbau von Cbl-b auslöst. Ihre Arbeit wurde als Research Article in Science Signaling veröffentlicht (doi: 10.1126/scisignal.2000046 ).

Funktion der „Alarmanlage“

Die Hauptfunktion von T-Zellen ist, fremde Antigene zu erkennen und darauf zu reagieren. Ein „Fehlalarm“ kann dramatische Folgen für den Organismus haben: Autoimmunerkrankungen. Daher werden T-Zellen nur aktiv, wenn sie gleichzeitig zwei unabhängige Signale von Antigen präsentierenden Zellen (APC) empfangen: der T-Zell-Rezeptor der T-Zelle muss zu dem von der APC präsentierten Antigen passen, und der sogenannte CD28-Korezeptor der T-Zelle zu einem ebenfalls von der APC präsentierten Liganden namens B7. Solange dieser Ko-Stimulanz fehlt, blockiert Cbl-b die T-Zell-Aktivierung. Das Protein sorgt auf diese Weise für Toleranz gegenüber körpereigenen Antigenen und verhindert Autoimmunerkrankungen.

Physiologische Gegenspieler

Die Innsbrucker Wissenschaftler von der Abteilung für Humangenetik, dem Institut für Biochemie und dem Labor für Tumorimmunologie beleuchten nun in Zusammenarbeit mit Josef Penninger vom Institute of Molecular Biotechnology of the Austrian Academy of Sciences (IMBA) in Wien die Rolle von PKC-theta in diesem Geschehen.

Sie konnten zeigen, dass PKC-theta bei Ko-Stimulierung von CD28 an Cbl-b bindet und dass dadurch ein Abbaumechanismus von Cbl-b eingeleitet wird. Auch bewiesen sie in Mausmodellen, dass Cbl-b und PKC-theta physiologische Gegenspieler sind. Sie wurden dabei vor allem vom FWF unterstützt.

Personalisierte Krebstherapie

Das Verständnis dieses grundlegenden Mechanismus’ könnte unter anderem dazu beitragen, die Immuntherapie von Krebserkrankungen voranzubringen, wie sie in Oncotyrol Center for Personalized Cancer Medicine entwickelt wird. Baier ist Leiter eines ganzen Forschungsbereichs in Oncotyrol und entwickelt in einem eigenen Forschungsprojekt eine Krebsimmuntherapie, bei der Cbl-b eine entscheidende Rolle spielt. Krebszellen wenden verschiedene Tricks an, um dem Immunsystem zu entkommen. Eine ihrer Strategien ist, in T-Zellen die Genexpression von Cbl-b hochzuregulieren. Auf diese Weise wird die Immunantwort auf den Tumor gedämpft. Im Rahmen von Oncotyrol entwickeln die Innsbrucker Wissenschaftler eine unterstützende personalisierte Antitumor-Therapie. Das Konzept sieht vor, dem Patienten T-Zellen zu entnehmen, Cbl-b darin zeitweise herunterzuregulieren und die so veränderten T-Zellen dem Patienten zurückzugeben. Auf diese Weise soll die natürliche Antitumor-Reaktivität wieder hergestellt werden.

MedUni Innsbruck/PH, Ärzte Woche 27 /2009

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