zur Navigation zum Inhalt
 
Innere Medizin 1. Mai 2009

Wiener Erfahrung mit ABO-inkompatibler Lebendnierentransplantation

Die ABO-inkompatible Nierentransplantation ist eine vielversprechende Strategie zur Erweiterung des Lebendspender-Pools. In den letzten Jahren wurde berichtet, dass eine Empfänger-Desensibilisierung mit Blutgruppenantigen-spezifischer Immunadsorption (IA), kombiniert mit Rituximab und intravenösem Immunglobulin, exzellente Transplantat-Überlebensraten nach ABO-inkompatibler Transplantation ermöglicht. Unter Einsatz dieses von Tydén und Mitarbeitern erstbeschriebenen Protokolls, haben wir an unserem Zentrum zwischen Juli 2007 und August 2008 vier Lebendtransplantationen gegen die ABO-Barriere durchgeführt (A1→0, A1→B, B→A1, A2→0). Das Empfängeralter war 25–66 Jahre, das mittlere Spenderalter 49–69 Jahre. Unter Einsatz einer "on demand" Strategie, basierend auf engmaschigem post-Transplant Antikörper-Monitoring, war bei ausgeprägter und andauernder Reduktion der Blutgruppenantikörper nach Transplantation bei keinem der vier Empfänger eine IA notwendig. Das Transplantat- bzw. Patienten-Überleben nach 4 bis 18 Monaten Beobachtungszeit war 100%. Das Serum-Kreatinin lag zuletzt bei 1,3–2,0 mg/dl. Zwei Transplantate zeigten Ablagerungen von C4d in den peritubulären Kapillaren ohne die für Antikörper-vermittelte Abstoßung typischen morphologischen Veränderungen. Ein Empfänger entwickelte eine frühe Transplantatdysfunktion mit dem bioptischen Nachweis einer Banff Borderline Läsion, welche unter Steroidbolustherapie reversibel war. Derselbe Patient entwickelte im weiteren Verlauf das Bild einer interstitiellen Fibrose/tubulären Atrophie und arteriolären Hyalinose, am ehesten aufgrund einer suboptimalen Blutdruckeinstellung und/oder Calcineurininhibitor-Therapie. Zwei Empfänger entwickelten eine revisionsbedürftige Lymphozele. Abgesehen von Harnwegsinfekten (3 Patienten) sowie einer subklinischen CMV Virämie (ein Patient), kam es zu keiner schweren Infektion. Bemerkenswert ist, dass zwei Patienten eine Polyoma BK Virämie entwickelten, ohne klinischen und/oder morphologischen Hinweis auf eine Polyomavirus-assoziierte Nephropathie. Zusammenfassend unterstützen die Ergebnisse unserer kleinen Serie eine hohe Effizienz einer Desensibilisierung mittels Blutgruppenantigen-spezifischer IA. Das Fehlen von Langzeitergebnissen erfordert jedoch eine kontinuierliche und sorgfältige Abwägung der Vorteile und möglichen Risiken dieser Strategie.

Michael Haidinger, Sabine Schmaldienst, Günther Körmöczi, Heinz Regele, Afschin Soleiman, Dieter Schwartz, Kurt Derfler, Rudolf Steininger, Ferdinand Mühlbacher, Georg A. Böhmig, Ärzte Woche 7/8/2009

Volltext dieses Beitrags / entire article auf SpringerLink

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben