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Innere Medizin 23. Juni 2009

Mastdarmkrebs vor OP bestrahlen

Studie: Tumorrückfälle im Darm werden in den ersten drei Jahren deutlich gesenkt.

Werden Patienten mit fortgeschrittenem Mastdarmkrebs vor der Operation bestrahlt, so verringert sich die Wahrscheinlichkeit, dass der Tumor nach einigen Jahren zurückkehrt. Dies gilt auch – und sogar in besonderem Maße – bei einer optimalen Operation.

Die „totale mesorektale Exzision“ (TME) gilt als optimale Operationsmethode. Das Verfahren verringert nicht nur die Rückfallrate erheblich, sondern schont auch die Nerven, die für Blasen- und Sexualfunktion verantwortlich sind. Bislang war unklar, ob optimal operierte Patienten generell eine Strahlentherapie erhalten sollen, ob sich bei einer TME ganz darauf verzichten lässt oder ob sie nur zur Anwendung kommen sollte, wenn sich noch Tumorzellen im Randbereich des entfernten Darmabschnitts finden.

Anlässlich einer aktuellen Studie sprechen sich Radioonkologen jedoch dafür aus, alle Patienten mit fortgeschrittenem Mastdarmkrebs zu bestrahlen – und zwar am besten bereits vor der Operation. Dies gilt auch dann, wenn eine optimale Operation in Form einer TME durchgeführt wird.

Das internationale Forscherteam bezog 1.350 Patienten an 80 Zentren – überwiegend in Großbritannien und Kanada – in die Vergleichsstudie ein. Die Hälfte der Patienten erhielt eine konventionelle Behandlung. Das heißt, sie wurden operiert und danach nur dann bestrahlt, wenn das Operationsergebnis nicht zufriedenstellend war. In der anderen Gruppe erhielten alle Patienten bereits vor der Operation eine Strahlentherapie.

Auch bei optimaler Operation

„Diese präoperative Radiotherapie hat die Zahl der Tumorrückfälle im Darm in den ersten drei Jahren deutlich gesenkt – von 10,6 Prozent auf 4,4 Prozent“, erklärt Prof. Dr. Jürgen Dunst, Leiter der Klinik für Strahlentherapie am Campus Lübeck des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein. „Dieser positive Effekt wurde auch bei jenen Patienten beobachtet, bei denen die Chirurgen ein optimales Ergebnis erzielten.“ Zu den besten Therapieergebnissen führte die Kombination von Bestrahlung und optimaler Operation.

„Die präoperative Radiotherapie ist unserer Meinung nach genauso wichtig wie eine optimale Operation“, sagt auch der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Radioonkologie Prof. Dr. Volker Budach von der Klinik für Radioonkologie an der Berliner Charité. Bei einigen Patienten könnte als dritte Komponente eine Chemotherapie die Ergebnisse noch weiter verbessern. Die Fachgesellschaft spricht sich deshalb für eine enge Zusammenarbeit von Experten aus Chirurgie, Onkologie und Strahlentherapie aus. Für die Strahlentherapie spricht auch, dass mittlerweile gut verträgliche und schonende Verfahren zur Verfügung stehen.

 

Quellen:
Quirke, P. et al.: Lancet 2009; 373: 821–8 ;
Sebag-Montefiore, D. et al.: Lancet 2009; 373: 811–20 .

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