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Innere Medizin 15. Oktober 2008

COPD: Verbesserung von Lungenfunktion und Überlebensrate

Die Ergebnisse der UPLIFT®-Studie (Understanding Potential Long-term Impacts on Function with Tiotropium) zeigen, dass der Verlauf der COPD mit Tiotropium positiv beeinflusst werden kann. Das Anticholinergikum verbesserte die Lungenfunktion und senkte die Exazerbationsrate. Somit konnte die Lebensqualität erhöht und die Mortalität gesenkt werden.

Mit 5.993 Patienten und einer Studiendauer von vier Jahren ist UPLIFT® eine der größten COPD-Studien. Im Gegensatz zu anderen placebokontrollierten Langzeituntersuchungen wurde in UPLIFT® bei allen Patienten die bestehende Therapie fortgesetzt und zusätzlich doppelblind einmal täglich entweder 18 mcg Tiotropium oder Placebo inhaliert. Eine Dosisanpassung der bestehenden Therapie war in beiden Studienarmen ebenso erlaubt wie die Neuverordnung von Medikamenten, einzig Anticholinergika durften nicht verwendet werden. Durch dieses Studiendesign konnte der Effekt von Tiotropium unter Praxisbedingungen überprüft werden.

Lungenfunktion verbessern, Exazerbationen verhindern

Tiotropium bewirkte eine über die gesamte Beobachtungszeit anhaltende Verbesserung der Lungenfunktion (p < 0,001), obwohl es den jährlichen FEV1-Abfall nicht beeinflusst. Die Therapie verlängerte weiters das Intervall zwischen Behandlungsbeginn und Auftreten der ersten COPD-Exazerbation um durchschnittlich 4,1 Monate (p < 0,001) und verminderte auch die Exazerbationsrate pro Patientenjahr um 14 Prozent (p < 0,001). Das Risiko einer exazerbationsbedingten Hospitalisierung lag im Tiotropium-Arm signifikant niedriger als in der Kontrollgruppe (Risk Ratio 0,86; p < 0,002). Exazerbationen sind für den progredienten Verlauf der COPD von entscheidender Bedeutung, sodass eine Therapie, die diese Ereignisse reduziert, den klinischen Verlauf positiv beeinflussen kann.

Lebensqualität verbessern, Mortalität senken

Die mittels St. George’s Respiratory Questionnaire (SGRQ) gemessene gesundheitsbezogene Lebensqualität war bei den mit Tiotropium behandelten Patienten während der gesamten Studiendauer signifikant besser als in der Kontrollgruppe (p < 0,001) und war auch noch nach vier Jahren besser als der Ausgangswert vor Therapiebeginn.
Das Mortalitätsrisiko lag während der Behandlung um 16 Prozent niedriger als in der Kontrollgruppe (p = 0,016). Der positive Effekt von Tiotropium auf die Überlebensrate war während der vierjährigen Behandlungsphase konstant und auch dann noch statistisch signifikant, wenn jene Patienten miteinbezogen wurden, die frühzeitig aus der Studie ausgeschieden waren (p = 0,034). Unter Einbeziehung jener Todesfälle, die in den ersten 30 Tagen nach Absetzen der Medikation auftraten, sank der Überlebensbenefit durch Tiotropium im Vergleich zur Kontrollgruppe auf 11 Prozent und war statistisch nicht mehr signifikant (p = 0,086).

Gutes Sicherheitsprofil

Die deutliche Reduktion respiratorischer (p < 0,05) und kardialer (p < 0,05) Ereignisse im Tiotropium-Arm unterstreicht das gute Sicherheitsprofil. Wie in anderen Studien mit Tiotropium war Mundtrockenheit die häufigste unerwünschte Wirkung.
Prof. Dr. Marc Decramer, Studienleiter von UPLIFT®, Katholieke Universiteit Leuven, Belgien, fasst die Studienergebnisse zusammen: „UPLIFT® hatte ein äußerst ambitioniertes Studiendesign, weil im Gegensatz zu den meisten anderen COPD-Studien die Patienten ihre bisherige Therapie – abgesehen von Anticholinergika – während der gesamten Studie fortsetzen durften. Trotzdem führte die Langzeitbehandlung mit Tiotropium zu einer höheren Überlebensrate, zu einer anhaltenden Verbesserung von Lungenfunktion und Lebensqualität sowie zu einer Reduktion der Exazerbationsrate. UPLIFT® trägt enorm viel zu unserem Verständnis bei, wie wir den klinischen Verlauf bei COPD medikamentös verbessern können.“
Die Daten aus UPLIFT® bestätigen auch die gültigen Therapierichtlinien, nach denen eine Dauertherapie mit einem langwirksamen Bronchodilatator bereits im GOLD-Stadium II (= Post-Broncholyse-FEV1 < 80 % des Sollwertes) begonnen werden sollte – das umfasst 46 Prozent der UPLIFT®-Patienten. Damit ist UPLIFT® eine der wenigen interventionellen Studien, in denen Patienten mit mittelschwerer COPD über einen längeren Zeitraum beobachtet wurden. Die mit Tiotropium erzielten positiven Ergebnisse in dieser Population weisen darauf hin, dass frühe Intervention den klinischen Verlauf der COPD modifizieren kann.

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