zur Navigation zum Inhalt
 
Innere Medizin 11. September 2008

Neue Leitlinie für Asthma bei Kindern

Etwa zehn Prozent der Kinder und Jugendlichen sind von Asthma betroffen. In den letzten zehn Jahren hat sich der Informationsstand in Bezug auf Asthma bei Kindern und Jugendlichen deutlich verbessert. Eine neue Leitlinie bringt nun Diagnose und Behandlung auf den neuesten Stand.

 Fotos (2): Sigrid Prünster
In der Atemschule lernen Kinder, sich bei akuter Atemnot mit speziellen Körperhaltungen selbst zu helfen.

Fotos (2): Sigrid Prünster

Prof. Dr. Josef Riedler, Leiter des Arbeitskreises Pneumologie und Allergologie der Österreichischen Gesellschaft für Kinder- und Jugendheilkunde, bedauert zwar die regionalen Unterschiede bei der Früherkennung, generell habe sich die Situation jedoch deutlich verbessert. Riedler führt dies vor allem auf umfassende Fortbildungsbemühungen in der Ärzteschaft zurück, also auch auf die besser informierten und stärker motivierten Eltern.
So positiv sieht dies Prof. Dr. Maximilian Zach, Leiter der Abteilung für pädiatrische Pulmologie und Allergologie an der Medizinischen Universität Graz, nicht. Er verweist auf eine Schweizer Studie, die zeige, „dass bei mehr als der Hälfte der vier- bis sechsjährigen Patienten die Erkrankung schlecht oder nicht zufriedenstellend unter Kontrolle ist.“ Viele Eltern unterschätzten nach wie vor den Schweregrad der Erkrankung ihrer Kinder. Außerdem kritisiert Zach, dass heimische niedergelassene Ärzte Wissensdefizite bei der antientzündlichen Langzeittherapie von Asthma aufweisen würden.

Das Atmen lernen

Riedler hingegen verweist auf die positiven Effekte durch das konsequente Anbieten von Atemschulungen. „Wo jedoch noch Handlungsbedarf besteht, ist die Einstellung der Eltern zum Rauchen. Besonders betroffen von den gesundheitsschädigenden Auswirkungen sind Säuglinge und Kleinkinder.“ Im Gegensatz zu Schulkindern halten sich die Kleinen einen Großteil der Zeit zu Hause auf und sind dort dem Passivrauchen ausgesetzt. Wenig bedacht wird das Rauchen im Auto: Im beengten Raum wirkt der Nebenstromrauch der Zigaretten massiv auf die kindlichen Atemwege.“
Probleme bei der Einschätzung der Schwere der Erkrankung ortet der Spezialist für kindliches Asthma eher bei Eltern von Heranwachsenden. „Jugendliche verbringen immer weniger Zeit daheim. Sie berichten ihren Eltern wenig oder gar nichts über ihr Wohlbefinden oder darüber, ob sie die notwendigen medizinischen Maßnahmen auch umsetzen.“ Hier sei eine spezielle Unterstützung für Jugendliche besonders wichtig, betont Riedler. Vor allem bei der Prävention des Rauchens. Riedler weist auf die aktuellen statistischen Daten hin. „Rund 25 Prozent der 15-jährigen Burschen und Mädchen rauchen täglich, weitere 20 Prozent bzw. 25 Prozent gelegentlich. Unter Berufsschülerinnen und -schülern beträgt die Raucherquote sogar 50 Prozent.“ Als Leiter des Salzburger Programms „kiss me – smokefree“, leistet der Pneumologe Präventionsarbeit und Bewusstseinsbildung bei den betroffenen Jugendlichen.
Eine neue Leitlinie für die Behandlung von Asthma bei Kindern und Jugendlichen, die unter der Leitung Riedlers ausgearbeitet wurde, soll die frühzeitige Diagnose und die optimale Behandlung sicherstellen (siehe Webtipp).

Der Hausarzt als Anlaufstelle

„Eine der ersten Anlaufstellen soll der Hausarzt sein, der leichtere Fälle auch selbst behandeln kann“, bekennt Riedler. Voraussetzung sei aber die Möglichkeit, Lungenfunktionstests in der eigenen Praxis durchführen und interpretieren zu können. Das neue Additivfach „Pädiatrische Pulmonologie“ der Pädiater ist ein weiterer Weg zur Verbesserung der Situation. Riedler: „Auch wenn es noch zu wenige Absolventen des Additivfachs gibt, der Trend geht absolut in die richtige Richtung!“ Riedler erwähnt zudem ein neu geschaffenes Kinderärztediplom auf dem Gebiet der pädiatrischen Pneumologie und Allergologie. Nur in seltenen Fällen wäre eine stationäre Behandlung nötig. „Es geht vor allem um die Abklärung bei Kleinkindern, bei denen Asthma unter Umständen schwer diagnostizierbar ist oder nur mit einer endoskopischen Untersuchung festgestellt werden kann“, stellt Riedler klar.
In der Leitlinie sind auch die möglichen Behandlungsschritte für Kinder und Jugendliche beschrieben. „Das ist ein wichtiger Schritt zur Optimierung der Asthmabehandlung.“

Webtipp:
www.ogp.at/media/publikationen/Leitlinie_Asthma_Kind_Jugend.pdf

Mag. Christian F. Freisleben-Teutscher, Ärzte Woche 37/2008

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben