zur Navigation zum Inhalt
 
Dermatologie 1. Juli 2008

Die Leber ist schnell beleidigt!

Im Rahmen einer Veranstaltung der Gesellschaft der Ärzte zum Thema Haut und Leber im Mai berichteten Gastroenterologen, Dermatologen und Infektiologen im Wiener Billrothhaus über den derzeitigen Stand des Wissens.

Bei Patientinnen und Patienten unter einer lang andauernden hochdosierten Therapie mit Kortikosteroiden müssen die Leberwerte häufig überprüft werden. Bei einer Hepatitis C können sich die Virenlast erhöhen und die Fibroseprogression beschleunigen.

Beleidigte Leber

Welche hepatalen Nebenwirkungen zeigen dermatologische Medikamente? Dieser Frage ging der Hepatologe Prof. Dr. Harald Hofer von der Klinischen Abteilung für Gastroenterologie und Hepatologie am AKH Wien im Rahmen einer Veranstaltung der Gesellschaft der Ärzte zum Thema Haut und Leber im Mai im Wiener Billrothhaus nach. Zunächst informierte Hofer über die hepatischen Nebenwirkungen einer hochdosierten, lang andauernden Therapie mit Kortikosteroiden: „Im Prinzip werden diese von der Leber sehr gut vertragen“, so Hofer. „Vereinzelt wurde eine akute Hepatitis in Fallberichten beschrieben.“ Wichtiger allerdings erscheint dem Experten die Möglichkeit einer Reaktivierung einer Hepatitis B unter lang dauernder Kortikosteroidtherapie: „In der Literatur ist eine solche Reaktivierung nach median zehn Monaten Therapie beschrieben“, erläuterte Hofer. Diese ist häufig schwer und kann zu einem akuten Leberversagen führen.

Achtung auf Hepatitis C!

Liegt eine präexistente chronische Hepatitis C vor, kann sich durch die immunsuppressive Behandlung mit Kortikosteroiden einerseits die Viruslast erhöhen, was – so Hofer – allerdings klinisch weniger relevant ist. „Allerdings kann es auch zu einer Akzeleration der Fibroseprogression kommen und damit zu einer schnelleren Entwicklung einer Leberzirrhose“, so Hofer. Auch wichtig zudem: „Durch diese Therapie kann das Ansprechen auf eine antivirale Behandlung mit pegyliertem Interferon und Ribavirin vermindert sein.“

Alkohol verboten

Stark lebertoxisch wirkt auch Methotrexat, das in der Dermatologie zur Behandlung von Psoriasis zum Einsatz kommt. Ebenso ist eine Reaktivierung oder Exazerbation einer Hepatitis B möglich. Dies gilt sowohl für den Beginn als auch nach dem Absetzen einer Behandlung mit Methotrexat. Zudem wurden unter Methotrexat eine Fibroseprogression und die Ausbildung einer Leberzirrhose beobachtet. Der stärkste Risikofaktor dafür ist der Alkohol: „Patienten unter Methotrexat sollten stark dazu motiviert werden, keinen Alkohol zu trinken“, hielt Hofer weiter fest.

Hoher Wissensstand

Einer rezenten Studie aus Großbritannien zufolge ist übrigens das Bewusstsein für die Hepatotoxizität von Methotrexat unter Dermatologen sehr hoch: „In dieser Arbeit haben 100 Prozent der befragten Dermatologen mit ihren Patienten das Problem der Hepatotoxizität vor Beginn einer Methotrexat-Therapie diskutiert“, resümierte Hofer die Studie. Allerdings führten nur 15 Prozent der Befragten vor Therapiebeginn auch eine Hepatitis-Serologie durch. „Das ist aus meiner Sicht zu wenig, diese Untersuchung ist auf alle Fälle wünschenswert“, so Hofer.

Beleidigte Haut

Nicht nur reagiert die Leber auf Medikamente zur Behandlung dermatologischer Erkrankung. Auch der umgekehrte Fall ist bekannt: Kutane Reaktionen auf die Behandlung von Lebererkrankungen. Dazu nahm die Dermatologin Dr. Elena Horacek von der Dermatologischen Abteilung am SMZ Ost Donauspital Wien in ihrem Vortrag Stellung.

Psoriasis kann exazerbieren

Zu den häufigsten kutanen Nebenwirkungen von alpha-Interferonen hielt Horacek fest: „Es kann unter Interferon Alpha zu Effluvium, Xerose und Pruritus kommen“, so Horacek. „Seltener treten Erythem und Ekzem an der Einstichstelle auf, die später generalisieren können.“ Eine vorbestehende Psoriasis oder Sarkoidose kann unter Interferon-Therapie exazerbieren“, erläuterte Dr. Elena Horacek weiter.

Exanthemgefahr

Nukleosid- und Nukleotidanaloga, die zum Teil bereits aus der HIV-Therapie bekannt sind, zur Behandlung der Hepatitis B und C wie etwa Emtricitabin-Tenovovir-Kombinationen, können Exantheme an Handflächen und Fußsohlen bewirken. Unter Ribavirin wurden Pruritus und Phototoxizität beschrieben.
Vor allem neue Therapieoptionen bei Hepatitis könnten das Auftreten von schweren kutanen Nebenwirkungen steigern. Dazu zählt etwa eine Kombination aus Telapravir, pegyliertem Interferon und Ribavirin. „In einer rezenten Studie kam es bei dieser Dreierkombination in sechs Prozent zu schweren Exanthemen“, berichtete Horacek. „Dies wurde in der Kontrollgruppe, die nur pegyliertes Interferon und Ribavirin erhielt, nicht beobachtet.“
Zusammenfassend hielt die Dermatologin fest: „Lebertherapeutika verursachen sehr selten schwere kutane Nebenwirkungen.“ Allerdings relativierte sie: „Das wird sich voraussichtlich mit der Einführung der neuen Hepatitis-Medikamente ändern.“

 Fazit für die Praxis

Sabine Fisch, Ärzte Woche 27/2008

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben