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Innere Medizin 26. Juni 2008

Krebstherapie: Vielfalt macht Fortschritt

Bereits zum sechsten Mal hatten heimische Ärzte kürzlich die Gelegenheit, Neuigkeiten vom Kongress der Amerikanischen Gesellschaft für Klinische Onkologie (American Society of Clinical Oncology, ASCO) in Chicago kurz und prägnant beim Post-ASCO in deutscher Sprache präsentiert zu bekommen.

Prof. Dr. Günther Steger von der Universitätsklinik für Innere Medizin I, MedUni Wien, betonte, dass die heimischen Krebsforscher sich in den USA gut positionieren konnten und auf dem Weg seien, Therapiemöglichkeiten global zu verändern. Steger: „Es geht hin zum besseren Verständnis der Mechanismen, die zur Erkrankung führen.“
Besonders prominent vertreten waren die Arbeiten der Austria Breast&Colorectal Cancer Study Group (ABCSG). Prof. Dr. Michael Gnant, stellvertretender Leiter der Universitätsklinik für Chirurgie der MedUni Wien, präsentierte bei der ASCO die ersten Resultate der ABSCG-12 Studie, die eine signifikante Anti-Tumor-Wirkung von Zoledronsäure bei prämenopausalen Frauen mit frühem Brustkrebs gezeigt hat. In die Phase III-Studie waren 1.803 Frauen mit östrogenrezeptorpositivem Brustkrebs aufgenommen worden. Die Zugabe von Zoledronsäure zu Anastrozol oder Tamoxifen verlängerte das krankheitsfreie und rezidivfreie Überleben signifikant. Dabei verringerte Zoledronsäure nicht nur das Auftreten von Knochenmetastasen, sondern auch von anderen Fernmetastasen und kontralateralem Brustkrebs. Gnant geht davon aus, dass das Mittel „schlafende Tumorzellen“ angreift. Der Onkologe, der beim Post-Asco-Treffen den Titel seines Vortrags kurzerhand in „Von der Saat bis zur Erde ...“ geändert hatte, verglich schlafende Tumorzellen im Körper mit einer Saat: „Wenn sie aufwachen, sind sie in der Erde – therapeutische Mähdräscher nützen nichts.“
Prof. Dr. Paul Sevelda vom Karl Landsteiner Institut für Gynäkologische Onkologie und Senologie, Wien, berichtete über die Trends in der Chemotherapie und Integration der Biologicals beim Her2-positiven metastasierten Mamma-Karzinom. Titel: „Was tun bei Progredienz unter Herceptin?“ Alle randomisierten Studien hätten ergeben, dass die zusätzliche Gabe von Taxanen einen signifikanten Benefit gebracht hat, aber die Neurotoxizität sei für die Frauen ein großes Problem. Viele Arbeiten beschäftigen sich nun mit neuen Kombinationstherapien, Biologicals untereinander, Zytostatika und Biologicals, aber auch die Kombination von Hormontherapie und Biologicals.
Beim Thema Bronchuskarzinom wies Prof. Dr. Richard Greil, Vorstand der III. Medizin, Salzburger Landeskliniken, auf die besondere Bedeutung der richtigen Patientenselektion hin. „Der Erfolg der neoadjuvanten Therapie ist mit großer Wahrscheinlichkeit überbewertet, weil sich die Patienten in Wirklichkeit, das hat sich in den Studien gezeigt, bereits in einem höheren Stadium befinden.“ Außerdem merkte Greil an: „Es gibt in der Erstlinientherapie einen unglaublichen Verdrängungswettbewerb und einen großen Druck seitens der Pharmaindustrie, einen einzigen Standard in der Behandlung von Patienten zu sehen.“ Der entscheidende Punkt für das Überleben sei aber insgesamt die Zahl der Substanzen, die zur Verfügung stehen, und nicht so sehr, welche als erste eingesetzt werden. „In diesem Sinn“, so Greil, „machen wir beträchtliche Fortschritte in der Zahl der Substanzen.“

Inge Smolek, Ärzte Woche 26/2008

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