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Innere Medizin 1. Dezember 2006

Saisonale Schwankungen im Nachweis von Borrelia burgdorferi sensu lato in Nagern aus dem Nordosten Ö

Österreich ist ein bekanntes Endemiegebiet der Lyme-Borreliose. Um die saisonalen Schwankungen in Nagerpopulationen zu erfassen, die Wirte der Erreger dieser Spirochätose sind, wurden Nager im Nordosten Österreichs gesammelt und auf ihre Durchseuchung mit Borrelien untersucht. Während eines Untersuchungsjahres wurden alle 6 Wochen Lebendfallen in jeweils einem von drei Fangorten (Hohenau, Ernstbrunn, Wien/Wienerwald), welche die Hauptmerkmale der Habitate für kleine Nager im Nordosten Österreichs aufweisen, ausgelegt. Die Nager wurden identifiziert und Herz, Harnblase und Hirn unter weitgehend aseptischen Bedingungen entnommen. Diese Organe wurden für die Anzüchtung von Borrelien weiterverarbeitet. Proben vom Herzmuskel wurden zusätzlich für den molekularen Nachweis von Borrelien mittels Real-Time Polymerase-Ketten-Reaktion verwendet. Dazuwurden Borrelien-Universalprimer sowie Spezies-spezi-fische Primer eingesetzt. Insgesamt wurden 938 Mäuse gefangen, überwiegend Apodemus flavicollis (44%), gefolgt von Clethrionomys glareolus (35%), Microtus arvalis (9%), A. sylvaticus (7%) und Mus musculus (6%). Die Gesamtzahl der gefangenen Tiere variierte deutlich zwischen den einzelnen Fangorten (Hohenau, Ernstbrunn, Wienerwald entsprechend 10:9:2), wie auch die Verteilung der verschiedenen Nagerarten. Die Anzüchtung von Borrelienstämmen gelang nur von 65 (7%) Tieren und häufiger von der Harnblase als vom Herzmuskel, nur einmal von einer Hirnprobe. Mittels PCR wurden Borrelien in 223 Herzmuskelproben nachgewiesen (24%), am häufigsten von A. flavicollis (43%) und C. glareolus (38%). B. afzelii wurde am häufigsten identifiziert, gefolgt von B. burgdorferi sensu stricto und B. garinii sowie Mischinfektionen von B. afzelii mit B. burgdorferi sensu stricto. B. garinii wurde am häufigsten in den Proben von A. sylvaticus nachgewiesen (ca 20%). Mit den verwendeten Methoden gelang es in ca. 3% der PCR-positiven Proben nicht, eine Genospezies zu ermitteln. Die Nagerarten A. flavicollis, A. sylvaticus, M. arvalis und C. glareolus wurden als Reservoire von B. afzelii, B. garinii und B. burgdorferi sensu stricto bestätigt. Bemerkennswert ist die hohe Präsenz von B. garinii in Herzmuskelproben von A. sylvaticus.

Gelas Khanakah, Elena Kocianová, Vanda Vyrosteková, Jozef Řeháček, Michael Kundi, Gerold Stanek, Wiener klinische Wochenschrift

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