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Innere Medizin 27. März 2008

Heuschnupfen ohne Allergie

Wer im Frühjahr unter den Symptomen des Heuschnupfens leidet, wird mit antiallergischen Medikamenten versorgt. An der Grazer Universitäts-Augenklinik wurde geklärt, warum diese Arzneien häufig gar nicht wirken können.

 Allergie
Pollen des Haselstrauchs: Proteasen bahnen den Weg für die Befruchtung.

 Allergie
Haselpollen, die in die Tränenflüssigkeit gelangen, setzen Proteasen frei.

„Die typischen Beschwerden wie gerötete Augen und triefende Nasen werden meist nicht durch eine allergische Reaktion auf Pollen hervorgerufen“, erzählt Prof. Dr. Otto Schmut der Ärzte Woche. Vielmehr sei häufig ein verringerter Schutz gegebenüber einem biologischen Wirkmechanismus schuld an den Symptomen. Der Biochemiker von der Augenabteilung der MedUni Graz geht von einem hohen Prozentsatz betroffener Patienten aus. Der Mechanismus: Jedes Körnchen Blütenstaub sondert Proteasen ab, das sind Stoffe, die Eiweiße und Peptide proteolytisch spalten. Auf diese Weise eröffnet es sich den Weg ins Innere der weiblichen Blüte – eine Befruchtung wird möglich.
Nun befinden sich aber auch in der Tränenflüssigkeit und in der Nasenschleimhaut Eiweißstoffe, die durch Pollenproteasen aufgespaltet und zerstört werden können. Dadurch verlieren die Tränen die Fähigkeit, den Augapfel zu benetzen. Der Tränenfilm reißt, die Folge sind Entzündungen. Auch Proteine in der Hornhaut werden geschädigt.
Im gesunden Auge schützen Antiproteasen in der Tränenflüssigkeit vor der Zerstörung. Schmut: „Zu wenig Tränenflüssigkeit (Sicca-Syndrom) bewirkt, dass auch zu wenig Antiproteasen vorhanden sind. Die Pollenproteasen können dann ungehindert wirken.“ Zu wenig Antiproteasen können auch wegen genetischer Defekte vorhanden sein, oder weil sie selbst als Eiweißstoffe durch Proteasen angegriffen werden können. „Nun ist klar, warum dann Antiallergika nicht wirken,“ erklärt Schmut.
Die neue Erkenntnis könnte Patienten zukünftig unerwünschte Arzneimittel-Wirkungen ersparen. Bevor antiallergische Medikamente verschrieben werden, sollte überprüft werden, ob genügend Tränenflüssigkeit vorhanden ist. Ist das der Fall, könnte die Reaktion auf Pollenproteasen die Ursache der Beschwerden sein. Dann ist es sinnvoll, zusätzlich einen Allergietest zu veranlassen.
Es gibt noch keine spezifische Behandlung der nichtallergischen Beschwerden. An neuen Therapieoptionen wird an der Grazer Augenklinik aber bereits geforscht.

Inge Smolek, Ärzte Woche 13/2008

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