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Innere Medizin 14. Februar 2008

Elephantiasis

Über 120 Millionen Menschen in mehr als 80 tropischen und subtropischen Ländern sind von der Lymphatischen Filariasis, besser bekannt als Elephantiasis, betroffen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat in Zusammenarbeit mit Pharmafirmen ein Programm zur Elimination der Krankheit ins Leben gerufen. Ägypten ist das erste Land, in dem das ergeizige Ziel erreicht zu sein scheint.

 Elephantiasis
Filarienbedingte Lymphödeme soll es bis 2020 nicht mehr geben.

Foto: Centers for Disease Control and Prevention, USA

Winzige, zwirnartige Fadenwürmer (Filarien) sind die Auslöser der Tropenkrankheit Elephantiasis. Diese siedeln sich in den Lymphgefäßen an, verstopfen die Abflusswege und erzeugen fibrosierende Entzündungen mit Bindesgewebswucherungen (Fibrose, Dermatosklerose). Bei jedem zweiten Infizierten kommt es dadurch zu unförmigen Schwellungen von Körperteilen. Am häufigsten finden sie sich an den Unterschenkeln, aber auch Genitale (Skrotum, Penis, Labien), Lippen, Ohren, Handrücken oder Nase können betroffen sein.
Die Larven der Fadenwürmer, Mikrofilarien, werden durch Insektenstiche von Mensch zu Mensch übertragen. Sie werden in den Lymphgefäßen geschlechtsreif, die weiblichen Exemplare legen Hunderte von Eiern, die im Blutstrom durch den Körper zirkulieren, und dort wieder über den Stichkanal von Moskitos aufgenommen und auf diese Weise verbreitet werden.
Nur wenn die durch rechtzeitige medikamentöse Behandlung weitgehend heilbare Krankheit unbehandelt bleibt, kommt es zu den schweren und entstellenden Zustandsbildern. Zudem sind hunderte von Insektenstichen nötig, bis sich die Krankheit im Körper tatsächlich etablieren kann. Das ist der Grund, warum Tropenreisende, die auf die nötige Hygiene und ausreichenden Insektenschutz achten, kaum gefährdet sind. In den Endemiegebieten sind es vor allem Kinder unter fünf Jahren, die mit den Filarien infiziert werden. Bis die ersten Symptome bemerkbar werden, können Jahre vergehen.
Globale Allianz gegen Filariasis
Die Kinder vor Infektionen zu schützen, ist das Ziel der globalen Initiative der Alliance to Eliminate Lymphatic Filariasis (GAELF). Bis 2020 soll die Krankheit, so wie die Pocken, endgültig der Vergangenheit angehören. Systematisch werden die Infektionswege Land für Land unterbrochen. Um das zu erreichen, muss die Konzentration von Mikrofilarien im Blut infizierter Personen soweit reduziert werden, dass eine Verbreitung durch Moskitos nicht mehr möglich ist.
Das weltweite Unternehmen der WHO hat gewaltige Ausmaße: Damit die Infektionskette abgeschnitten werden kann, müssen 80 Prozent der Risikopopulation behandelt werden, also über eine Milliarde Menschen über einen Zeitraum von fünf Jahren. Schätzungen gehen davon aus, dass dafür sechs Milliarden Dosen des Antihelmetikums Albendazol im Wert von mehr als einer Milliarde Dollar nötig sein werden, in Kombination mit einem von zwei antiparasitischen Arzneimitteln (Mectizan® oder Diethylcarbamazin).
Das Programm wird durch großzügige Medikamentenspenden der beteiligten Pharmafirmen ermöglicht. Ägypten, berichtete der Lancet, wird das Ziel der Eliminierung der Lymphatischen Filariasis demnächst erreicht haben.

www.filariasis.org.
Kongress: Das 5. GAELF-Meeting findet vom 1. bis 3. April 2008 in Arusha, Tansania (Ostafrika), statt.

Inge Smolek, Ärzte Woche 7/2008

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