zur Navigation zum Inhalt
 
Innere Medizin 8. Februar 2008

Diabetes im Netz

Weltweit gibt es mehr als 200 Millionen Menschen, die an Diabetes leiden. Im World Wide Web finden sich zahlreiche Informationen zu Diagnostik und Therapie dieser Erkrankung – dabei werden nicht nur die Experten gut bedient, auch die Laien kommen auf ihre Kosten. Es folgen einige Empfehlungen für Online-Recherchen.

Von Diabetes mellitus und speziell von Typ 2 Diabetes mellitus sind immer mehr Menschen betroffen. Auf der Website der Österreichischen Diabetes Gesellschaft, www.oedg.org, kann nachgelesen werden, welches Ausmaß dieses Gesundheitsproblem, global betrachtet, hat: „Die weltweite Prävalenz von Typ 2 Diabetes mellitus bei Erwachsenen wurde im Jahr 2000 auf 151 Millionen geschätzt, wobei eine Zunahme um 46 Prozent auf 221 Millionen bis zum Jahr 2010 angenommen wird. Ausgehend von epidemiologischen Studien sind etwa die Hälfte der Typ 2 Diabetiker noch nicht als solche diagnostiziert, haben aber bereits ein erhöhtes Risiko für Schlaganfall, Herzinfarkt und periphere arterielle Verschlusskrankheit. Angesichts der drohenden Diabetes-Pandemie mit deren gesundheitlichen und sozioökonomischen Konsequenzen sind effiziente Strategien zu Prävention und Früherkennung des Typ 2 Diabetes erforderlich.“

Effiziente Prävention erforderlich

Das obige Zitat stammt von Dr. Marietta Anderwald-Stadler und Prim. Univ. Prof. Dr. Rudolf Prager, die den Beitrag „Typ 2 Diabetes mellitus – Screening und Prävention“ verfasst haben, der wiederum in der überarbeiteten und erweiterten Fassung 2007 von „Diabetes mellitus – Leitlinien für die Praxis“ zu finden ist. Die Leitlinien können in der entsprechenden Rubrik auf www.oedg.org gratis heruntergeladen werden. Sie enthalten auch verschiedenste weitere Beiträge zu zentralen Aspekten des Themas – von „Insulintherapie bei Typ 1 Diabetes“ über den „Diabetischen Fuß“ bis zu „Gestationsdiabetes“ und „Ernährungsempfehlungen bei Diabetes mellitus“.

Deutsche Leitlinien

Die aktuellen Leitlinien der deutschen Fachkollegen sind unter leitlinien.net abrufbar. In diesem Online-Verzeichnis wird auch angegeben, wann eine Leitlinie zuletzt verändert wurde und in welcher von drei Entwicklungsstufen sie sich aktuell befindet. Die erste Entwicklungsstufe wird dadurch definiert, dass „eine repräsentativ zusammengesetzte Expertengruppe der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaft… im informellen Konsens eine Empfehlung“ erarbeitet hat. Die „mittelfristige und Dauerlösung“, also die Entwicklungsstufen 2 und 3, sollten sich dann „der Technik des nominalen Gruppenprozesses, der Konsensus- und Delphikonferenz bedienen“. Leitlinien der Entwicklungsstufe 3 müssen der Evidence Based Medicine entsprechend auch „die vorliegenden wissenschaftlichen Erkenntnisse … in ihre Empfehlungen explizit einbeziehen“.
Die Leitlinien speziell zu Diabetes mellitus können auf leitlinien.net mit wenigen Klicks erreicht werden. Sie befinden sich großteils bereits in Entwicklungsstufe 3 und befassen sich im Detail zum Beispiel mit Themen wie „Diabetische Nephropathie“, „Hypertonie beim Diabetes mellitus“ oder auch „Diabetes im Alter“. Speziell für Patienten und interessierte Laien ist die Leitlinie „Psychosoziales und Diabetes“ konzipiert, die sich unter anderem mit „Patientenschulung“, „Hilfestellungen im Umgang mit der Erkrankung“ und „Psychischen Erkrankungen bei Patienten mit Diabetes“ beschäftigt. Statt über die umfangreiche, aber etwas spartanisch gestaltete Datenbank leitlinien.net können die deutschen Diabetes-Leitlinien auch über die übersichtliche Site der „Deutschen Diabetes Gesellschaft“ (DDG) aufgerufen werden, unter www.deutsche-diabetes­gesellschaft.de. Hier können beispielsweise „Evidenzbasierte Leitlinien“, „Praxisleitlinien“ und „Englischsprachige Leitlinien“ jeweils gesondert auflistet werden. Weiters wird auf der Page im Bereich „Wir über uns“ unter anderem über die Tätigkeit der 16 DDG-Arbeitsgemeinschaften informiert. Diese befassen sich zum Beispiel mit Bereichen wie „Diabetes und Mi­granten“, „Molekularbiologie und Genetik des Diabetes“ oder „pädiatrische Diabetologie“.

Pages für Patienten

Zum Thema Diabetes gibt es natürlich auch sehr zahlreiche Pages speziell für Patienten. Auf vielen davon sind Werbe-Banner von kommerziellen Unternehmen und die Logos von Sponsoren zu finden – was jedoch nicht an sich schon mit einer geringeren Qualität der vorhandenen Informationen gleichzusetzen ist.
Als gelungenes Beispiel für eine derartige Website darf deshalb www.diabetes-austria.com gelten, ein Portal, das 1996 eingerichtet wurde und seither schon fast 1,2 Millionen Besucher zählen konnte. Dieser Internetauftritt wird von Peter P. Hopfinger als Herausgeber und Chefredakteur gestaltet, der selbst an der Erkrankung leidet. Hopfinger hat als Journalist unter anderem für „Kurier“, „Kronen Zeitung“, „Basta“ und „Wiener“ gearbeitet. Das zeigt sich auch an den plakativen Texten. So heißt es auf der Website zum Beispiel, dass Patienten kostenlos Fragen an „Österreichs beste Ärzte… und andere Experten“ richten können.
Weiters können hier aber beispielsweise auch informative Porträts einzelner Mediziner nachgelesen werden, die sich speziell mit Diabetes befassen. Informationen wie eine Liste „Aller Diabetes-Ambulanzen in Österreich“ oder eine „Definition“ von Diabetes und dessen „Spätschäden“ werden als PDF-Dateien angeboten. Stilsichere Artikel über Prominente mit Diabetes fehlen ebenfalls nicht – neben dem König von Tonga und Halle Berry werden in diesem Zusammenhang beispielsweise auch Karl Moik und die „Jazz-Gitti“ Martha Butbul vorgestellt.

Österreichische Selbsthilfegruppen

Die SIGIS-Datenbank des Fonds Gesundes Österreich ist hingegen ein rein sachliches Infoangebot für Patienten. Hier können die Kontaktdaten zahlreicher österreichischer Selbsthilfegruppen abgefragt werden. Um speziell nach Vereinigungen für Diabetiker zu suchen, kann eine entsprechende Stichwortsuche durchgeführt werden. Selbsthilfegruppen haben generell eine wichtige Funktion im Gesundheitssystem und natürlich auch speziell bei Diabetes. Sie bieten nicht nur gegenseitige Unterstützung, sondern können auch die Eigeninitiative und Eigenverantwortung von Patienten und Angehörigen fördern.

Welt-Diabetestag

Wissen Sie, weshalb der 14. November für Diabetiker ein besonderer Tag ist? – Die Antwort ist der Website www.worlddiabetesday.org zu entnehmen. Diese Page informiert über die Informationskampagnen zum „Weltdiabetestag“, der im Vorjahr erstmals zugleich auch ein „United Nations Day“ war, also ein Tag der Vereinten Nationen. Deren Generalsversammlung hatte sich zuvor in einer Resolution mit dem Thema Diabetes als weltweit wachsendem und kostenintensivem Gesundheitsproblem beschäftigt. – Das Datum für den „Weltdiabetestag“ ist übrigens deshalb der 14. November, weil an diesem Tag Frederick Banting geboren wurde. Der kanadische Arzt und Wissenschaftler wurde 1923 als einer der Entdecker des Insulin mit dem Nobelpreis ausgezeichnet.

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben