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Innere Medizin 11. September 2008

Klinischer Vorteil für beschichtete Stents in einem Wiener Labor

Themen höchster Priorität diskutierten rund 30.000 Herzspezialisten beim ESC-Kongress in München, 3.500 wissenschaftliche Arbeiten wurden präsentiert. An den Folgen von Herz-Kreislauf-Erkrankungen sterben die meisten Menschen.

Entgegen manchen Publikationen in den beiden letzten Jahren zeigt die Langzeitbeobachtung in einem hochfrequentierten Katheterlabor in der täglichen Routine einen klinischen Vorteil für medikamentenbeschichtete Stents (Drug eluting stents, DES) gegenüber reinen Metall-Stents (Bare metal Stents, BMS).
Das berichten Kardiologen des Wiener Wilhelminenspitals, Vorstand Prof. Dr. Kurt Huber, und der MedUni Wien. 1.490 Patienten mit Stent-Implantierung im Herzkatheterlabor des Wilhelminenspitals waren zwischen Anfang 2003 und Ende 2006 untersucht worden. Klinische Endpunkte der Studie waren Sterblichkeit, Gefäßverschluss („Restenose“) bzw. Stentthrombose sowie der kombinierte Endpunkt Tod und Restenose bzw. Stentthrombose. Dr. Ioannis Tentzeris, Erstautor der Studie: „Die Verwendung von DES ist eine sowohl effektive als auch sichere Behandlung der koronaren Herzkrankheit und erscheint bei akuten Koronarsyndromen wie auch bei ausgewählten Patienten vorteilhaft.“

Debatten Für und Wider

Über die Verwendung von DES gegenüber reinen Metall-Stents wurde zuletzt wegen einer höheren späten Re-Thromboserate, die auch mit einer höheren Re-Infarkt- und Sterblichkeitsrate einhergehen soll, in Fachkreisen heftig diskutiert. In machen Ländern ist daher der prozentuelle Anteil von DES zurückgegangen. DES werden hauptsächlich bei längeren Gefäßverengungen, Gefäßen mit dünnerem Kaliber und bei Diabetikern eingesetzt.
Die Patienten, die in der Studie eine perkutane Koronarintervention mit Stent-Implantation erhielten, wurden im Wilhelminenspital retrospektiv in zwei Gruppen (DES oder BMS) unterteilt. Patienten, die beide Stent-Typen erhalten hatten, wurden von der Analyse ausgeschlossen. Insgesamt 2.062 Stents wurden in 1.769 Gefäßeinengungen implantiert. 1.033 Patienten (69,3 Prozent) haben insgesamt 1.441 BMS (1,4 Stent pro Patient) und 457 Patienten (30,7 Prozent) haben 621 DES (1,3 Stents pro Patient) bekommen. Das Ergebnis des Katheterlabors im Wilhelminenspital: Es gab keinen signifikanten Unterschied zwischen den beiden Gruppen bezüglich Restenose bzw. Stentthrombose. Signifikante Unterschiede gab es bei der Mortalität (DES 5,7 Prozent, BMS 12,3 Prozent) und beim kombinierten Endpunkt (DES 12,9 Prozent, BMS 21,3 Prozent). Die Unterschiede sind besonders deutlich bei den Patienten mit akuten Interventionen.

B&K/IS

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