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Innere Medizin 27. Mai 2008

Graz, HPV und Meningokokken

Vom 13. bis 17. Mai 2008 fand in Graz das 26. Jahrestreffen der European Society for Pediatric Infectious Diseases (ESPID) statt. Es folgt eine Zusammenfassung ausgewählter Abstracts zur HPV-Impfung und einer Phase-I-Studie eines Meningokokken-B-Impfstoffkandidaten.

HPV-Impfung I

Wirksamkeit

617 Mädchen im Alter von 10 bis 14 Jahren hatten drei Impfdosen (0, 1, 6 Monate) HPV16/18-Impfstoff erhalten. Die stärkste Antikörperantwort wurde im siebten Monat gemessen, nach graduellem Abfall erreichte sie ab 18 bis 24 Monaten ein Plateau. In der „according to protocol“-Kohorte waren nach 24 Monaten noch 99,8 Prozent der Probandinnen seropositiv für HPV 16 (geometric mean titre – GMT 3226,3 EL.U/mL) und 100 Prozent für HPV 18 (GMT 1263,4 EL.U/mL). Das sind vier- bis acht-mal höhere GMTs als bei 15- bis 25-Jährigen. Für diese ist eine Schutzwirkung über 5,5 Jahre hinweg bekannt.
Kommentar: Für die Altersgruppe zwischen 9 und 15 Jahren lagen bislang keine Wirksamkeitsstudien vor, lediglich „Brückenstudien“, in denen die Immunogenität der Impfstoffe belegt war. Neutralisierende Antikörper sind wahrscheinlich der relevante Schutzmechanismus vor einer HPV-Infektion, wenn auch ein „Schutztiter“ nicht definiert ist.

HPV-Impfung II

Sicherheit

In elf Phase II/III-Studien erhielten 16.142 Frauen mindestens eine Dosis HPV16/18-Impfstoff, 13.811 Frauen erhielten Aluminiumhydroxid oder Hepatitis-A-Impfstoff. Über 5,5 Jahre hinweg wurden in den drei Altersgruppen 10-14, 15-25 und 25+ schwere unerwünschte Arzneimittelwirkungen (serious adverse events, SAEs), beginnende Autoimmunkrankheiten (new onset of autoimmune disease, NOAD) und andere medizinisch wichtige Umstände (medically significant condition, MSC) beobachtet (Deschamps et al.:Safety of human papillomavirus). Zwischen Impfgruppen und Placebogruppen gab es in den 5,5 Jahren keinen Unterschied im Verlauf von Schwangerschaften oder im Anteil von Studienabbrechern aufgrund von leichten oder schweren Nebenwirkungen. In den ersten sieben Monaten, also während der Grundimmunisierung, gab es zwischen Impf- und Placebogruppen ebenso keinen Unterschied in der Häufigkeit von SAEs (0,9-1,4% vs. 0,9%-1,5%), MSCs (12,4-17,6% vs. 13,6-21,6%) oder NOADs (0,1-0,2% vs. 0,1-0,3%).

Meningokokken-Impfung

Neuer Kandidat

Das Lipoprotein 2086 (rLP2086) ist ein Membranprotein des Meningokokken-B-Bakteriums. Die Schutzwirkung des Impfstoffkandidaten gegen mehrere B-Meningokokken-Stämme wurde an 103 Probanden (18-25 alt) untersucht (Nissen et al.). Sie erhielten intramuskulär drei Impfdosen (0, 1, 6 Monate) entweder mit 20, 60 oder 200 µg rLP2086 oder Placebo. Jede Dosis enthielt zu gleichen Anteilen Protein der Unterfamilien A und B. Die bakterizide Serumaktivität (SBA) gegen sechs Serogruppen-B-Stämme wurde am Tag 0 sowie jeweils ein Monat nach einer Impfung ermittelt. Bei der höchsten Dosierung zeigten über 87,5 Prozent der Versuchspersonen einen mindestens vierfachen SBA-Anstieg gegen fünf von sechs Serogruppe-B-Stämme. GMTs (geometric mean titres) nach der dritten Dosis lagen über 60:1 gegen alle Stämme und über 100:1 gegen vier Stämme. Vorübergehend beobachtete unerwünschte Arzneimittelwirkungen wurden als „meist mild oder moderat“ bezeichnet.

Quelle: www.impfbrief.de

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