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HNO 8. Oktober 2008

Lebensqualität und Allergie

Die allergische Rhinitis beeinträchtigt die Lebensqualität von Menschen in vielerlei Weise – und zwar relevanter und signifikanter, als weithin (auch von Ärzten) angenommen wird.

Die allergische Rhinitis ist eine der häufigsten Erkrankungen. Im mitteleuropäischen Raum sind etwa 20 bis 30 Prozent der Bevölkerung betroffen (Jahr 2001). Die typischen Symptome der allergischen Rhinitis sind neben Nasenatmungsbehinderung, Niesattacken, Juckreiz und Sekretion vor allem Kopfschmerzen, Schlafstörung und gestörte körperliche Leistungsfähigkeit. Zusätzlich leiden die Patienten unter Konzentrationsstörungen, Lernstörungen und Reduktion der psychomotorischen Leistungsfähigkeit sowie des Gedächtnisses. Im emotionalen Bereich resultiert die allergische Rhinitis in einem verringerten positiven Affektleben und in emotionalen Belastungen. Was die Arbeitsfähigkeit anbelangt, so sind Produktionsverlust und vermehrte Fehlzeit am Arbeitsplatz eine Folge der Erkrankung. Wesentliche Komorbididäten der allergischen Rhinitis sind das Asthma bronchiale mit bis zu 70 Prozent der Betroffenen und die chronische Rhinosinusitis bis zu 50 Prozent. Speziell bei Kindern ist die Häufigkeit von Mittelohrentzündungen und Mittelohrergüssen im Bereich zwischen 25–50 Prozent anzusiedeln.

60 Prozent halten sich für krank

Die wesentlichen Schlafbeschwerden sind die Einschlafstörung, die Tagesmüdigkeit, der nicht erholsame Schlaf sowie das Schnarchen mit Inzidenzen zwischen 30–50 Prozent. Betrachtet man nun die Patienten mit allergischer Rhinitis im Vergleich zu Kontrollgruppen, so zeigen sich bei spezifischen Lebensqualitätsscores in allen wesentlichen Teilbereichen signifikante Unterschiede zum Normalkollektiv. Der vergleichende Ansatz SF 36 zeigt in der körperlichen Funktion, in der Rollenerfüllung, im Schmerzempfinden, im allgemeinen Gesundheitszustand, in der Vitalität der Sozialfunktion, in der geistigen Gesundheit, in der emotionalen Gesundheit und auch in der Änderung der Gesamtgesundheit einen signifikant negativen Effekt der allergischen Rhinitis. Auch die Betrachtung der spezifischeren rhinologischen Lebensqualität zeigt signifikante Unterschiede im Schlaf, in praktischen Problemen, bei nasalen und Augenproblemen sowie im Bereich Emotionen, Aktivitäten und der Gesamtlebensqualität. Damit resultiert eine ganz erhebliche Belastung der Patienten, sodass sich die Majorität der Patienten traurig oder verstimmt fühlt mit 40 Prozent, irritiert mit 60 Prozent, müde zu 80 Prozent, stark erkrankt zu 20 Prozent und krank zu 60 Prozent.

Fazit

Zusammenfassend kann also festgehalten werden, dass die allergische Rhinitis die Lebensqualität von Menschen in vielerlei Teilbereichen in relevanter und signifikanter Weise beeinträchtigt. Dies schlägt sich auch im englischsprachigen Ausdruck der allergischen Rhinitis, dem „hay fever“, übersetzt „Heufieber“, nieder. Der Ausdruck Fieber umschreibt eine sehr viel weitergehende Form der Erkrankung als die im deutschsprachigen Raum übliche Klassifikation als Schnupfen. Unter der Prämisse, dass die allergischen Erkrankungen, sei es mit kurzfristigen hocheffektiven symptomatischen Therapien oder mit prophylaktisch wirksamen Langzeittherapien, zu den mit am besten behandelbaren chronisch entzündlichen Erkrankungen zählen, ergibt sich für die fachkompetenten Behandler sowohl die Option als auch die Verpflichtung der adäquaten Behandlung der Patienten, die bei genauerer Betrachtung einem sehr viel größeren Leidensdruck ausgesetzt sind, als man dies allgemein vermutet.

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