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HNO 11. September 2008

HNO-Probleme beim Tauchgang

Durch die Zunahme des Massentourismus und die Entwicklung des Tauchens zum Breitensport werden HNO-Ärzte zunehmend mit Fragen betreffend Tauchtauglichkeit und Behandlung von Tauchunfällen konfrontiert. Neben Dekompressionserkrank-ungen mit neurologischen Ausfallserkrankungen sind Baro-traumen im HNO-Bereich die zweithäufigsten Erkrankungen bei Unfällen nach Unterwassergängen. 80 Prozent aller medizinischen Probleme bei Tauchvorfällen ereignen sich im HNO-Bereich. Daher kommt auch der HNO-Untersuchung eine wesentliche prophylaktische Bedeutung zur Vermeidung von Unfällen und Problemen unter Wasser zu.

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Mittelohr-Barotrauma: Die Symptome sind Schmerz, Drehschwindel, Blutung und eventuell Luft aus dem Gehörgang.

Grundsätzlich werden zwei Tauch-arten unterschieden:

  • Apnoe-Tauchen (Tauchen ohne Atemhilfsmittel) – hier liegt der Weltrekord bei 214 Metern Tiefe.
  • Tauchen mit Druckgasbehältern (offene und geschlossene Sys-teme). Die am häufigsten verwendeten Atemgase sind Pressluft, Nitrox (ein Gemisch aus Stickstoff und Sauerstoff) sowie ein Atemgemisch aus Helium, Stickstoff und Sauerstoff.
  • In 80 Prozent der Fälle ist der HNO-Bereich betroffen

    Der HNO-Bereich ist vorwiegend in der Kompressionsphase (Druckzunahme beim Abtauchen) durch das Barotrauma sowie bei der Dekompressionsphase (Druckabnahme beim Auftauchen) durch Stickstoffembolien und Lungenüberdruckunfälle betroffen.

    Barotrauma und Dekompressionserkrankung

    Das Barotrauma im HNO-Bereich kann Gehörgang, Mittelohr, Innenohr, Nasennebenhöhlen, Zähne und Auge betreffen (siehe Abbildungen). Je nach Lokalisation des Barotraumas ist die Therapie ein Tauchverbot, Analgetikagaben, abschwellende Nasentropfen, Antibiotika, Infusionstherapie bei Innenohrbeteiligung und eventuell eine operative Behandlung. Die häufigsten Ursachen für Druckausgleichstörungen im Bereich des Mittelohres und der Nasennebenhöhlen sind:

  • Falsche Technik
  • Infekte
  • Schleimhautschwellung infolge von Kaltwasserreiz, kalter und trockener Atemluft oder durch häufiges Auf- und Abtauchen
  • Allergische Rhinitis
  • Akute sowie chronische Rhino-sinusitis
  • Nikotinabusus
  • Polyposis nasi
  • Nasopharynxzysten
  • Narben nach Adenektomie
  • Deviatio septi
  • Bei Dekompressionserkrankungen des Hör- und Gleichgewichtssystems ist neben Sauerstoffgaben Kortison und rheologischen Infusionen eine Druckkammerbehandlung angezeigt.

    Häufige Probleme und Routineuntersuchungen

    Die häufigsten Probleme im HNO-Bereich verursachen Cerumen, Gehörgangsexostosen, Gehörgangsexzeme und Gehörgangsentzündungen, Allergien, chronische Nasennebenhöhlenentzündungen und mangelhafte Druckausgleichtechnik.
    Eine Untersuchung zur HNO-Tauchtauglichkeit sollte Folgendes umfassen:

  • Ohrmikroskopie
  • Nasenrachenendoskopie
  • Kehlkopfspiegelung
  • Hörprüfung
  • Tympanogramm
  • Bei speziellem Verdacht sind erweiternde Untersuchungen wie ein Allergietest und NNH-CT
    erforderlich.

    Wann Tauchverbot?

    Die häufigsten Kontraindikationen zur Ausübung des Tauchsportes sind:

  • Jede chronische Belüftungsstörung der Nasennebenhöhlen und des Mittelohres
  • Mittelohrperforationen
  • Atrophe Membranareale
  • Chronische Entzündungen des Mittelohrs
  • Cholesteatom
  • Zustand nach Tympanoplastik Typ II bis III c
  • Zustand nach Stapesplastik, Cochlea-Implant oder Rundfensterruptur
  • Gaumenspalten mit Tubenbelüftungsstörung und Adhäsivprozess.
  • Der Originalartikel erschien in der Zeitschrift skriptum 9/08
    © Springer WienNewYork

    Prof. Dr. Gerhard Wolf, Ärzte Woche 37/2008

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