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HNO 6. September 2007

Tinnitus durch Fehlstellung

Forscher an der Universität Bonn haben festgestellt, dass Fehlstellungen des Kiefergelenkes die Ursache für Tinnitus sein können. Durch Einbau einer Kunststoffschiene im Oberkiefer gelang es den Ärzten, die Symptome zu bessern. Meist nehmen nur die Betroffenen selbst das Ohrgeräusch wahr. „Die Ursachen für einen sogenannten subjektiven Tinnitus sind vielfältig und reichen von Mittelohrerkrankungen über Hörsturz und Lärmtraumata bis hin zu Stress“, so Walter Lückerath von der Klinik für Zahnärztliche Prothetik der Universität Bonn. Dass die Ursache des störenden Geräusches auch eine Fehlstellung des Kiefergelenks sein kann, sei nur Wenigen bekannt, so der Mediziner.
„Wenn nur der geringste Punkt darauf hindeutet, dass eine Mitbeteiligung des Kiefergelenkes vorliegt, ist schleunigst zu handeln“, so Lückerath. Nur so ließen sich diejenigen Patienten herausfiltern, bei welchen der Tinnitus tatsächlich auf eine Kieferfehlstellung zurückzuführen ist. Mittelohr und Kiefergelenk sind nur durch eine dünne Knochenlamelle getrennt.
„Bei der sogenannten craniomandibulären Dysfunktion (CMD) kommt es unter anderem durch eine angeborene Zahnfehlstellung, Zähneknirschen, einseitiges Kauen oder Zahnprothesen zum Verlust der richtigen Bisshöhe“, erklärt der Mediziner. Dadurch wird der Unterkiefer nicht mehr genügend stabilisiert und der Kiefergelenkkopf verlagert sich. Daraus resultieren die für CMD typischen Kiefergelenksgeräusche. Wird beim Schließen des Mundes der Kiefergelenkkopf weit nach hinten in Richtung Mittelohr geschoben, ist der Druck auf zwei dazwischen liegende Nerven enorm. Tinnitus oder Schläfenkopfschmerzen können die Folge sein. Abhilfe schafft eine hauchdünne Schiene aus glasklarem Kunststoff, mit der die Gelenkköpfe wieder in ihre ursprüngliche Position gebracht werden.
Der Patient muss mindestens vier Wochen Tag und Nacht die sogenannte Pivotschiene im Oberkiefer, die zum Ausgleich des Fehlbisses hinten leicht erhöht ist, tragen. Beim Schließen des Mundes dreht sich nun der Unterkiefer um diesen künstlichen Aufbiss und zieht den Unterkiefer nach unten.
„Wie erfolgreich diese Behandlung ist, konnten wir anhand der aktuellen Untersuchungen deutlich machen“, so Lückeroth. „Bereits nach zwei bis vier Wochen spürten 75 Prozent der 22 bisher behandelten Tinnitus-Patienten eine Verbesserung der Symptome. Jeder Dritte war frei von Ohrgeräuschen.“ Der Mediziner weist auch darauf hin, dass nicht nur Tinnitus, sondern auch andere Leiden auf die Kieferfehlstellung zurückzuführen sein können: „Die Symptome reichen von Kopf- bis Augenschmerzen.“

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