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HNO 26. September 2007

Blut stillen im HNO-Bereich

Zu den häufigsten Notfällen, mit denen ein Hals-Nasen-Ohren-Facharzt zu kämpfen hat, gehören Blutungen in der Kopf- und Halsregion. Die mit Abstand alltäglichste Blutung im HNO-Bereich ist wohl die Epistaxis, mit deren Erstversorgung jeder Arzt vertraut sein sollte.

 Nasenbluten
Jeder Arzt sollte mit der Erstversorgung von Nasenbluten vertraut sein.

Foto: Welleschik/Wikipedia

Blutungen im Kopfbereich können zu lebensbedrohenden Zuständen führen, die dann neben einer lokalen Blutstillung auch notfallmedizinische Maßnahmen erfordern.

Mund- und Rachenbereich

Blutungen aus dem Mund- oder Rachenbereich lassen sich meist durch Anamnese und Lokalstatus eindeutig diagnostizieren. Als bedrohlich gestaltet sich z. B. die Tonsillennachblutung oder eine Tu­morarrosionsblutung im Rahmen einer malignen Erkrankung. Hier empfiehlt es sich, nach Sofortmaßnahme mittels Eiskrawatte (Eisbeutel ins Genick) zur reflektorischen Gefäßkonstriktion und Kreislaufstabilisation mit Flüssigkeitssubstitution, den Patienten sitzend umgehend in eine Fachabteilung einzuweisen. Warum sitzend, werden Sie sich fragen. Dies ist notwendig, um eine Blutaspiration zu vermeiden. Dramatisch kann es werden, wenn die Blutung so stark ist, dass der Patient sogar ersticken könnte. Zumeist ist nämlich nicht das Verbluten die Todesursache, sondern die Blutaspiration.
Eventuell kann man bei guter Erreichbarkeit der Blutungsquelle lokalen Druck mit einem Tupfer applizieren, jedoch sollte der Tupfer dabei immer in einer Klemme eingespannt sein, um nicht abgeschluckt oder, noch schlimmer, aspiriert werden zu können. Diese Therapie lässt sich auch einsetzen bei Blutungen nach Zahnextraktion oder Traumen, wie zum Beispiel einem Zungenbiss.
Nicht unerwähnt bleiben sollen die zumeist geringen Blutungen bei hämorrhagisch entzündlichen Erkrankungen. Hier bewährt sich eine Mundspülung mit kühlem dreiprozentigem Wasserstoffperoxid als Lokalbehandlung.

Larynx- und Tracheabereich

Blutungen aus dem Larynx- und Tracheabereich äußern sich als Bluthusten. Eine leichte Blutung wie beispielsweise bei Tracheitis sicca, die oft bei Kanülenträgern auftreten, sistiert meistens spontan. Inhalationen mit Meersalzlösung oder Tacholiquin wirken unterstützend.
Bei einer lebensbedrohlichen Blutung durch Tumorarrosion im Rahmen einer malignen Erkrankung im Larynx- oder Hypopharynxbereich bleibt außer den oben genannten Allgemeinmaßnahmen nur die Sicherung der Atemwege, gegebenenfalls durch Intubation oder Koniotomie. Auch hier ist ein sofortiger Transport an eine Fachabteilung erforderlich.

 Fakten

Blut im Ohr

Blutungen aus dem Ohr können einerseits ein Trauma, andererseits eine Entzündung zur Ursache haben. Zum Trauma gehören zumeist Manipulationen mit Wattestäbchen oder ähnlichen Dingen, hier können Patienten bei der Wahl der Instrumente zur Ohrreinigung oder Juckreizstillung sehr erfinderisch sein. Meistens handelt es sich nur um Gehörgangsverletzungen, manchmal kann es aber auch zu Trommelfellperforationen bis hin zu schwerwiegenderen Mittelohrverletzungen kommen. Aber auch Entzündungen von Gehörgang oder Mittelohr können zu geringen Blutungen führen. Besonders zu erwähnen ist die Grippe-Otitis, bei der sich hämorrhagische Blasen am Trommelfell bilden, die aufplatzen können. Hierbei liegt zumeist keine Notwendigkeit der akuten Intervention vor. Es bedarf allerdings der baldigen Vorstellung an einer Fachabteilung zur weiteren Betreuung, um keinen Innenohrschaden zu übersehen.

Nasenbluten

Aber nun zur Epistaxis, dem Nasenbluten, das prinzipiell ein Symptom einer lokalen oder einer systemischen Erkrankung darstellen kann.
Zu den lokalen Ursachen gehören oberflächliche Gefäßblutungen aus dem Bereich des Locus Kieselbach am Nasenseptum, eine trockene Nasenschleimhaut, chronische Sinusitiden, Traumen (wie beispielsweise Nasenbeinfrakturen), Fremdkörper in der Nase, Manipulation und Kokain oder ähnliche Substanzen. Nicht zuletzt der Abusus von abschwellenden Nasentropfen kann zu Schleimhautschädigungen und Nasenbluten führen.
Von den systemischen Ursachen sind vor allem Gefäß- und Kreislauferkrankungen (wie z. B. die arterielle Hypertonie oder Arteriosklerose) zu erwähnen; weitere seltene Ursachen könnten allerdings auch Infektionserkrankungen, Thrombozytopathien und Vaskulopathien sein. Auf keinen Fall darf bei der Anamneseerhebung darauf vergessen werden, nach der Einnahme blutgerinnungshemmender Medikamente wie Thrombo Ass, Marcoumar, Plavix und so weiter zu fragen.
Egal, aus welchem Bereich der Nase es blutet, empfiehlt sich, wie bei anderen Blutungen im HNO-Bereich, als erste Maßnahme die reflektorische Gefäßkonstriktion mittels Eiskrawatte. Steht eine Eiskrawatte allerdings nicht zur Verfügung, können Eiswürfel in ein Handtuch eingewickelt oder einfach nur ein mit eiskaltem Wasser getränktes Tuch verwendet werden. Der Patient soll aufrecht sitzen, beide Nasenflügel mit den Fingern kräftig zusammenpressen und den Kopf leicht nach vorne beugen, um ein Schlucken des Bluts zu vermeiden, da der Magen auf Blut mit Übelkeit und Erbrechen reagiert. Falls diese allgemeinen Notfallsmaßnahmen nicht zum gewünschten Erfolg führen, müssen weitere Interventionen getroffen werden.
Handelt es sich um eine kleine Gefäßruptur am Locus Kiesselbach, könnte man versuchen, eine gezielte Ätzung mit 40 Prozent Trichloressigsäure durchzuführen. Diese Ätzung darf nie großflächig oder beidseitig erfolgen, andernfalls besteht die Gefahr der Septumperforation. Das Verwenden der bipolaren Kaustik zum Veröden von gut erreichbaren Gefäßen, wie sie an Fachabteilungen Verwendung findet, darf auch nur punktuell und einseitig am Septum angewendet werden, da es sonst zu den gleichen Komplikationen wie bereits oben erwähnt kommen kann.
Falls diese Methoden nicht angewendet werden können, kann eine vordere Tamponade mit Fettgazestreifen zum Stillstand der Blutung durch Kompression führen. Die Tamponade kann schichtweise von oben nach unten oder fortlaufend von hinten nach vorne erfolgen, gegebenenfalls beidseits, um einen Gegendruck zu erzeugen.
Ist auch dieser Versuch frustran, und Blut rinnt an der Rachenhinterwand weiter ab, dann ist zusätzlich eine hintere Tamponade mittels mit Wasser gefüllten Ballonkatheter, der die Choane abdichtet, erforderlich. Zur Vorbereitung jeglicher lokaler Maßnahmen ist eine Oberflächenanästhesie mittels Tetracain-Spray oder Naseneinlagen sinnvoll.

Dr. Ines Schmid-Weigl
HNO-Abteilung Donauspital
SMZ-Ost Wien

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