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HNO 17. Oktober 2007

Dichtes Gewimmel in der Nase

Viel mehr als nur ein paar Viren tummeln sich in einer Schnupfennase. Zu dieser Erkenntnis kam die Gruppe um Dr. Amy Kistler vom Howard Hughes Medical Institute in San Francisco.

Das Team ging von der Tatsache aus, dass in 50 bis 80 Prozent Infektionen der oberen Atemwege schuld sind, wenn sich Asthmasymptome verschlimmern. Während bei kleinen Kindern eine Vielzahl von Viren am Schnupfen beteiligt ist, handelt es sich bei Jugendlichen und Erwachsenen meist um humane Rhinoviren (HRV), zuweilen auch um humane Coronaviren oder Grippeviren. Um die verschiedenen Virustypen zu charakterisieren, startete Kistler mit ihrem Team eine Studie mit 53 Asthmatikern und 30 Probanden, die unter beginnenden Erkältungssymptomen litten.* Zur Identifikation der Viren wurde ein so genannter Virochip mit Fragmenten des Erbguts aller bekannten Virustypen verwendet. Das Besondere an diesem Chip ist, dass damit nicht nur bereits bekannte Viren dingfest gemacht werden können, sondern auch solche, die bisher noch nicht beschrieben wurden.
Tatsächlich zeigte sich im Lauf des Versuchs, dass sich neben 29 bekannten Virustypen auch fünf neue Unterarten in den Probandennasen tummelten. Auch zwei erst vor kurzem identifizierte Coronaviren tauchten dabei auf – unerwartet, wie Kistler in der Diskussion schreibt, zumal für gewöhnlich andere Coronaviren in Atemwegsinfektionen zu finden sind. Und: Es waren die bisher unbekannten Viren dieses Typs, die vermehrt bei Asthmatikern nachzuweisen waren und vermutlich für die Verschlechterung der Symptome verantwortlich zu machen sind. Freilich sind weitere Untersuchungen nötig, um diese Hypothese zu untermauern.

* Kistler A et al: J Infect Dis. 2007 Sep 15;196(6):817-25

Elisabeth Tschachler-Roth, Ärzte Woche 42/2007

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