zur Navigation zum Inhalt
 
HNO 1. März 2006

Sentinel-Lymphknoten bei oralen und oropharyngealen epithelialen Tumoren

Karzinommetastasen in regionalen Lymphknoten verschlechtern wesentlich die Prognose der Patienten mit Mundhöhlen- und Oropharynxkarzinom. Infolge der großen Wahrscheinlichkeit (etwa 30%) okkulter Metastasen wird heutzutage bei chirurgischer Ausräumung des Primärtumors in der Regel auch eine elektive Lymphknotendissektion durchgeführt. Die Meinungen über den Umfang der Dissektion beim elektiven Eingriff gehen noch auseinander, während die selektive Dissektion zunehmend an Bedeutung gewinnt. Das Ziel der selektiven Dissektionen, die auf dem Prinzip der Vorhersehbarkeit des Weges der Metastasierung beruht, ist die Identifizierung und Exstirpation der Sentinel-Lymphknoten. Im Rahmen dieser prospektiven Studie wurde die Anwendbarkeit des Konzepts des Sentinel-Lymphknotens bei Patienten mit Mundhöhlen- und Oropharynxkarzinom überprüft. Eingeschlossen waren 12 Patienten mit Mundhöhlen- und Oropharynxkarzinom, Staging T1 bis T3, alle N0 (Palpations- und Sonographiebefund). Präoperativ wurde die Lokalisation der Sentinel-Lymphknoten mit Radioisotopen (Tc Nanokolloid) erhoben. Intraoperativ identifizierten wir vorerst die Sentinel-Lymphknoten mit der Gammasonde (Neoprobe 2000); zum einfacheren Auffinden des Sentinel-Lymphknotens injizierten wir Methylenblau intraoperativ um den Tumorherd. Der Sentinel-Lymphknoten wurde entfernt und zur Gefrierschnittaufarbeitung überstellt. Ungeachtet des Gefrierschnittbefundes wurde die modifizierte Dissektion durchgeführt. Bei der Nachbefundung der Sentinel- und anderer entfernter Halslymphknoten wurden die Ergebnisse der Gefrierschnittuntersuchung mit Mikrotomschnitten in Paraffineinbettung verglichen. Bei allen Patienten konnten wir Sentinel-Lymphknoten identifizieren, bei 6/12 Patienten fanden sich mehrere Sentinels. Waren die Sentinel-Lymphknoten nicht befallen, so zeigten sich auch die nachgeschalteten Halslymphknoten metastasenfrei. Wenn demnach Sentinel-Lymphknoten keine Metastasen aufweisen, könnte allein das Ausräumen der nächsten Region/en mit Sentinel-Lymphknoten ausreichen. Diese Annahme bedarf der Überprüfung an einem größeren Patientenkollektiv.

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben