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HNO 11. April 2007

Vorschnelle Tonsillektomie unter Beschuss

Österreich hat seine HNO-Debatte. Im Gefolge einer tödlichen Komplikation nach einer Mandelentnahme grübelt man in Fachkreisen über mögliche Sicherheitsmaßnahmen nach.

Immer wenn ein so genannter Routineeingriff unter Beschuss kommt, gerät die betroffene Fachwelt gehörig in Bewegung. Und derzeit sind die Hals-, Nasen-, Ohren-Experten betroffen. Der Grund: Innerhalb der letzten anderthalb Jahre starben in Österreich sechs Kinder aufgrund von Komplikationen nach einer Tonsillektomie. Das Schicksal des letzten Opfers, des kleinen Daniel, der am vierten Tag nach einer Mandeloperation verblutete, erschütterte nicht zuletzt aufgrund der ausführlichen Berichterstattung die ganze Republik. Dabei lief das Procedere streng nach bislang gehandhabter Usance ab: Daniel wurde nach 24 Stunden in häusliche Pflege entlassen. Dort war er gemäß der Aussage seiner Eltern nie unbeaufsichtigt. Trotzdem liefen die Blutungen so rasch ab, dass der Bub kaum eine Chance hatte. Immerhin treten bei ein bis vier Prozent derart starke Spätblutungen auf, dass ein ärztliches Eingreifen dringend erforderlich ist. Schnell meldeten sich die ersten Stimmen, welche einfordern, die richtigen Lehren aus den Tragödien zu ziehen. Etwa Dr. Robert Pavelka, Vorstand der HNO-Abteilung im KH Wr. Neustadt, der glaubt, dass Tonsillektomien in Österreich häufig voreilig angesetzt werden. Auf Pavelkas Abteilung werden daher Kinder unter sechs Jahren nur nach strenger medizinischer Indikation tonsillektomiert. Die Österreichische Gesellschaft für HNO-Heilkunde, Kopf- und Halschirurgie verweist darauf, dass bereits im Vorjahr eine Arbeitsgruppe feststellen musste, dass weder eine bestimmte Operationstechnik noch jedwede medizinische Vorsichtsmaßnahme das Auftreten von Spätnachblutungen mit absoluter Sicherheit vermeiden kann. Daher verspricht die Gesellschaft ein ausführliches Konsensuspapier, das mit dem BM für Gesundheit ausgearbeitet wird und in Bälde veröffentlicht werden soll.

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