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HNO 6. Februar 2007

Getarntes Plattenepithel- karzinom kostete die Nase

Eine zunehmende Schwellung der Nase, die sich medikamentösen Therapieversuchen widersetzt, erfordert unbedingt weitere Abklärung. Im vorliegenden Fall war über Monate mit lokalen und systemischen Antibiotika herumgedoktert worden, bis sich herausstellte, dass der vermeintlich hartnäckige Furunkel ein verkapptes Plattenepithelkarzinom war. Der Patient büßte für die späte Diagnosestellung mit seiner Nase.

Bösartige Tumoren der inneren Nase und der Nasennebenhöhlen machen weniger als ein Prozent aller Malignome im Kopf-Hals-Bereich aus. Zu ihnen werden auch die seltenen Tumoren des Nasenvorhofs (Vestibulum nasi) gezählt. Die Symptome von Tumoren der vorderen Nasenhaupthöhle sind unspezifisch und ähneln oft denen einer chronischen Rhinosinusitis wie Sekretion oder Druckgefühl in der Nasenregion.

Rötung und Schwellung

Der folgende Fall ist eine Beschreibung aus der Klinik und Poliklinik für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde des Münchener Klinikum Großhadern, wie ein Plattenepithelkarzinom des Nasenvorhofs über mehrere Monate als chronische Entzündung der Nase ohne weitere Symptomatik imponierte. In der ambulanten Sprechstunde stellte sich ein 31-jähriger Patient mit einer starken Schwellung und Rötung im Bereich der Nasenspitze vor. Er klagte über ein zunehmendes Spannungsgefühl im geschwollenen Bereich, wobei Schmerzen nur bei Berührung bestünden. Anamnestisch habe der Bereich der vorderen Nase bereits seit fünf Monaten an Größe zugenommen, die Rötung bestehe seit rund drei Monaten. Er rauche seit zirka zehn Jahren 20 bis 25 Zigaretten pro Tag und trinke gelegentlich Alkohol. Er sei bereits mehrmals ohne Erfolg mit lokalen und systemischen Antibiotika behandelt worden. Eine Woche vor der Zuweisung ins Klinikum Großhadern waren eine Probeexzision und ein Abstrich bei einem niedergelassenen Chirurgen erfolgt. Die HNO-ärztliche Untersuchung zeigte eine massiv aufgetriebene, indurierte und gerötete Nasenspitze. Der Vorhof war rechts zu zwei Dritteln mit einer teils schmierig, teils krustig belegten, verhärteten Raumforderung ausgefüllt, die auch den linken Nasenvorhof sowie die vorderen Septumanteile beidseits mit einbezog. Die auswärtig durchgeführte Probeexzision hatte dysplastisches Plattenepithel ohne Hinweis auf ein invasives Karzinom ergeben. Im Abstrich fand sich Staphylococcus aureus. Bei hochgradigem Verdacht auf ein Malignom des Vestibulum nasi mit peritumoraler inflammatorischer Reaktion wurde eine weitere Probeexzision in Lokalanästhesie durchgeführt, deren histologische Begutachtung den Verdacht auf ein Plattenepithelkarzinom bestätigte. Zur Beurteilung der Operabilität des Karzinoms wurde eine Computertomographie der Nasennebenhöhlen durchgeführt. Hier zeigte sich keine Infiltration von benachbarten knöchernen Strukturen wie beispielsweise Oberkiefer, Kieferhöhle oder Orbita.

Verlust der Nase

Die Ärzte entschlossen sich aufgrund der begrenzten Ausdehnung des Tumors und des Fehlens von lymphogenen Metastasen zu einem alleinigen chirurgischen Vorgehen und resezierten den Tumor im Sinne einer Ablatio nasi vollständig und in sano (postoperative Tumorklassifikation pT2). Der Defekt wurde zur besseren Tumornachsorge initial mit einer Epithese versorgt, eine plastische Rekonstruktion der Nase erfolgt frühestens ein Jahr nach der Tumorresektion. Karzinome des Nasenvorhofs und der vorderen Septumanteile sind eine Rarität; bis zum Jahr 1984 gab es in der Literatur weltweit nur 300 Fallberichte von Karzinomen des Nasenseptums. Als Risikofaktoren werden Zigarettenrauchen sowie eine vermehrte Exposition zu Holzstaub, Erdöl und Chemikalien der Eisenverhüttung diskutiert. Angaben über die Fünf-Jahres-Überlebensrate liegen zwischen 50 und 85 Prozent, was auch an der oft späten Diagnosestellung und insuffizienten Ersttherapie liegt. Die chirurgische Therapie mit gegebenenfalls nachfolgender Bestrahlung erzielt die besten Erfolge bezüglich Heilung und Kontrolle der Erkrankung. Dies unterstreicht die Wichtigkeit einer raschen Diagnosestellung, die eine Probebiopsie durch den Facharzt unbedingt erfordert.

Fazit

Bei chronischen Entzündungen des Nasenvorhofs, die nicht oder schlecht auf eine antibiotische Therapie ansprechen, muss an ein Malignom als zugrunde liegende Ursache gedacht werden. Die Diagnosesicherung erfordert eine tiefe Probeexzision aus dem verdächtigen Areal. Bei Vorliegen eines Karzinoms erfolgt die weitere Therapie an einem Zentrum der Kopf- und Halschirurgie.

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