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HNO 28. März 2006

Heilt Psoriasis nach Tonsillektomie?

Aus dem bekannten und belegten Zusammenhang zwischen Streptokokkenangina und Psoriasis ergeben sich Konsequenzen für den klinischen Alltag.

Infektionen mit beta-hämolysierenden Streptokokken der Gruppe A kommen bei entsprechender genetischer Prädisposition als Auslöser der Erstmanifestation einer Psoriasis in Frage. Darüber gibt es keine Zweifel. Allerdings gilt dies nur für die Typ-1-Psoriasis, die durch frühen Beginn und positive Familienanamnese charakterisiert ist, nicht aber für den Typ 2. Am häufigsten wird eine Psoriasis guttata in Zusammenhang mit einer Streptokokkeninfektion gebracht. Neuere Arbeiten belegen eine Assoziation auch für Exazerbationen der chronischen Plaque-Psoriasis.

T-Zellen als Bindeglied zwischen Angina und Psoriasis

Wie ist der Einfluss von Streptokokkeninfektionen auf die Haut zu erklären? Prof. Dr. Jörg Prinz von der Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie an der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität ging dieser Frage mit Hilfe molekularbiologischer Methoden nach. In seinen Untersuchungen an drei Patienten, die an nicht-pustulöser chronischer Plaque-Psoriasis vom Typ 1 mit Guttataschüben litten, kam er zu dem Schluss, dass T-Zellen das funktionelle Bindeglied zwischen einer Streptokokkenangina und Psoriasis darstellen.
Dabei beruht die Streptokokken-induzierte Psoriasis möglicherweise auf einer Kreuzreaktion zwischen Streptokokkenantigenen und Keratinozytenproteinen. Bei zwei von drei Patienten war die Streptokokken-DNS auch in der Haut nachweisbar. Die Tonsillen von Patienten mit Streptokokkenangina sieht Prinz als eine mögliche Quelle der pathogenetischen, psoriatischen T-Zellen an. Somit könnte die Tonsillektomie bei Psoriasispatienten mit nachgewiesener Streptokokkenangina von Nutzen sein, erklärte Prinz.

Besserung nach Tonsillektomie

Auch wenn keine kontrollierten Studien vorliegen, so weisen doch einige kleinere Untersuchungen und Kasuistiken darauf hin, dass sich die Psoriasis nach einer Tonsillektomie bei zwei Drittel der Patienten deutlich bessert oder sogar ganz abheilt. Prinz empfiehlt daher, Patienten mit Typ-1-Psoriasis immer auf eine Streptokokkeninfektion zu untersuchen und gegebenenfalls die Tonsillen zu entfernen. Ob eine frühzeitige Tonsillektomie sinnvoll ist, um die Entwicklung einer Psoriasis zu verhindern, bleibt unklar. Dieser Eingriff wäre selbst bei Kindern aus Psoriasisfamilien höchstens im Falle einer Streptokokkeninfektion in Erwägung zu ziehen, so Prinz.Über den Nutzen einer Antibiotikatherapie weiß man recht wenig, weil dazu lediglich eine Untersuchung mit 20 Patienten vorliegt.
Sie ergab, dass eine Antibiotikatherapie zwar die Streptokokkeninfektion beseitigt, der Haut jedoch nicht hilft. Prinz vermutet, dass die ehemals von den Streptokokken angestoßene T-Zell-vermittelte Autoimmunreaktion unabhängig von der Infektion weiter läuft.

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