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Allgemeinmedizin 25. Jänner 2006

Zwölf Wochen krank trotz Therapie

Die chronisch-rezidivierende Rhinosinusitis hat eine multifaktorielle Genese und ist mit einer Inzidenz von fünf bis zehn Prozent in Europa häufig anzutreffen. Ihre Bedeutung als Wegbereiter für schwerwiegende Erkrankungen wird weithin unterschätzt, eine Therapie oft verzögert initiiert. Dabei kann die chronische Verlaufsform bei rechtzeitigem Erkennen der prädisponierenden Faktoren mit Hilfe sachgerechter Behandlung abgewendet werden.

„Kommt es trotz Prophylaxe und rechtzeitigem Erkennen der Risiken zu einer chronisch-rezividierenden Sinusitis, muss diese zeitgerecht diagnostiziert und konsequent behandelt werden“, betonte Prof. Dr. Gerald Wolf vom Universitätsklinikum Graz beim 36. Kongress für Allgemeinmedizin im November 2005 in Graz.

Symptome trotz Therapie

Die Sinusitis ist eine Entzündung der Nasennebenhöhlenschleimhaut und in der Regel mit einer Rhinitis assoziiert. Die chronisch-rezidivierende Rhinosinusitis (CRR) ist eine Infektion, die trotz adäquater medikamentöser Therapie länger als zwölf Wochen andauert oder wenn zwischen den akuten Exazerbationen einer Sinusitis die klinischen und radiologischen Symptome weiterhin bestehen. Zu den Vorläufererkrankungen zählt die akute virale Rhinitis, gemeinhin als Schnupfen bekannt. Sie ist eine banale, selbstlimitierende (fünf bis sieben Tage), durch „Common Cold“-Viren (Rhino-, Parainfluenza-, RS- und Corona-viren) ausgelöste Entzündung der oberen Atemwege. Hierbei sollte eine symptomatische Therapie ein-geleitet werden, wobei sich klassische Hausmittel wie Inhalationen, Saline, Vitamin C, abschwellende Nasentropfen oder -sprays und Antiphlogistika bewährt haben. Die Schleimhaut der NNH ist – im Gegensatz zur Nasenmukosa – physiologisch von einer bakteriellen Flora besiedelt. Die akute bakterielle Rhinosinusitis stellt sich häufig als Superinfektion dar. Dabei dominieren vor allem Streptococcus pneumoniae und Moraxella catarrhalis, während Haemophilus influenzae aufgrund der hohen Impfungsrate zurückgedrängt wurde. Plötzliche Kopf- und/oder Gesichtsschmerzen, behinderte Nasenatmung, Hypersekretion und Fieber erhöhen den Leidensdruck. Diagnostische Hilfsmittel sind neben einer genauen Anamnese die Rhinoskopie bzw. Nasenendoskopie sowie das NNH-Röntgen. Die Therapie besteht zusätzlich zu den genannten Hausmitteln aus der Gabe von Antibiotika (Makolide, Amoxicillin, eventuell mit Clavulansäure und Cephalosporinen der zweiten Generation).

Multifaktorielle Genese

Als weitere Risikofaktoren gelten anatomische Dispositionen, hypertrophe adenoide Vegetationen, das sinubronchiale Syndrom, Rhinitis allergica und Systemerkrankungen wie das Kartagenersyndrom, Mukoviszidose sowie Immunmangelzustände. Auch Luftschadstoffe können zur Entstehung von rezidivierenden Erkrankungen der Nase und NNH beitragen, weil sie den mukoziliären Schutzfilm der Atemwege beeinträchtigen und eine Hyperreagibilität der Schleimhaut sowie die Voraktivierung von Allergenen provozieren. „Natürlich muss in diesem Zusammenhang der Tabakgenuss angeführt werden, der zu einem verlangsamten Zilienschlag der Flimmerzellen führt und somit einen prägnanten Risikofaktor darstellt“, sagte Wolf. Wechselwirkungen zwischen den oben genannten Faktoren potenzieren sich gegenseitig und führen aufgrund neuronaler Reflexe und lokaler Entzündungsreaktionen zu einem Ostiumverschluss und in weiterer Folge zu einer chronischen Sinusitis. Dabei dominieren in der Regel Mischinfektionen von gramposi-tiven, gramnegativen und an­aeroben Bakterien. Als charakteristische Symptome werden eine behinderte Nasenatmung, post-nasaler Sekretfluss mit Räusperzwang, ein dumpfer Kopf- und Gesichtsschmerz, vermehrte Infektanfälligkeit sowie olfaktorische Störungen beschrieben. Der erste Schritt zur richtigen Diagnose führt – wie so oft – über eine gewissenhafte Anamnese. Des Weiteren wird eine Endoskopie der Nasenhöhle und lateralen Nasenwand mit starren Endoskopen empfohlen. Bildgebende Verfahren können die klinischen und endoskopischen Befunde untermauern, wobei das CT in koronarer Schnittführung den Goldstandard darstellt.

Medikamentöse Therapie

Eine pharmakologische Therapie kann im Falle einer CRR eine zeitlich beschränkte Beschwerdefreiheit garantieren oder aber einen akuten Krankheitsschub verhindern. Die medikamentöse Bandbreite reicht von einer Antibiotikatherapie (mindestens über zwei Wochen), topischen Steroiden, salinen Nasenspülungen, Sekretolytika bis zu systemischen Antiphlogistika. Eine dauerhafte Symptombefreiung wird allerdings in den meisten Fällen mit Hilfe eines chirurgischen Eingriffs in Kombination mit einer medikamentösen Therapie gewährleistet. Dabei zeigt vor allem die endoskopisch-endonasale, minimal invasive Operationstechnik besonders wegen ihrer schleimhautschonenden Verfahrensweise Erfolge. Eine begleitende Antibiotikagabe und eine sorgfältige postoperative Nachsorge verhindern Rezidive.

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